NACHRICHTEN AUS DER HEIMAT – Mai 2012

Liebe Heimatfreundinnen und Heimatfreunde,

der herrliche Monat Mai ist wieder da und wir können uns über die freundlichen Temperaturen, Blüten und Spaziergänge in der schönen Natur freuen. Und dazu wünsche ich auch eine bequeme Bank, wo man bei frischer Luft das Reichenberger Heimatblatt lesen kann.

DAS OSTERFEST IN REICHENBERG

Am Palmsonntag wurde in der Ruppersdorfer Kirche das Oratorium „Stabat Mater“ von Antonín Dvořák aufgeführt. Den katholischen Kirchenchor begleitete ein Orgelspieler.
Das Frühlingsfest eröffnete der Ostermarkt. Die ganze Woche nach dem Palmsonntag konnte man in Buden am Marktplatz vor dem Reichenberger Rathaus Ostereier, Tassen und Töpfe mit Ostermotiven, Sliwowitz, Käse, Bratwürste oder süßes Osterbrot, verschiedenen Osterschmuck und vieles anderes kaufen. Jeden Tag begleitete den Verkauf auch Programm – Singen, Ausstellung oder Musizieren.

HOTEL IMPERIAL IN REICHENBERG
Das berühmte Hotel Imperial unter dem Bahnhof wurde endlich verkauft. Das bekannte Prachtstück der Architektur erwarten jetzt hoffentlich bessere Zeiten. Das Finanzministerium, Eigentümer des Objekts, verkaufte das Hotel. Es ist erst nach einigem Auswahl-Erfahren und danach, als der Verkaufspreis des Hotels gegenüber dem ursprünglichen Vorhaben gesenkt wurde, gelungen. Der neue Eigentümer bezahlte fast 25 Millionen Kronen.
Das Hotel Imperial wurde in den Jahren 1930 – 1931 erbaut. Interessant ist es mit den Wappen art deco und des Funktionalismus auf der Fassade. Ab 2009 war das Hotel geschlossen.

MAFFERSDORF
Heuer wird das 140. Jubiläum der Brauerei gefeiert. Im Jahre 1872 wurde hier zum ersten Mal die dampfmaschinelle Brauerei geöffnet. Die Brauerei KONRAD hat sich mit neuen Sorten Bier vorgestellt – den Markt beliefert sie z. B. mit dem Zitronenbier „Chytrón“ oder rötlich gefärbten Bier „Der rote König“. Dieses Bier soll neue Kunden ansprechen, es wird in Drittel-Flaschen angeboten, was hauptsächlich die Frauen bevorzugen. Die Leute sparen heute, sie trinken das Bier nicht auf die Kubatur, aber auf den Geschmack. Grund des Sortimentes bleiben aber immer die klassischen Elf und Zwölf, die auch am meisten verkauft werden. Und die Brauerei erreicht damit Erfolg überall, wohin sie kommt. Neu z. B. in Japan oder Indien, wo die Maffersdorfer Elf mit der Benennung „Namaste“ (ein indischer Gruß) verkauft wird. Das sind aber nicht die letzten Destinationen, wohin der Konrad durchgedrungen ist. Das Bier unter der Bezeichnung „Made in Vratislavice n. N.“ (Made in Maffersdorf a. d. Neiße) kann man z. B. in Ägypten, Spanien, Italien, Frankreich und auch Deutschland beschaffen.
Die älteste und heute leider auch einzige Brauerei in Reichenberg bekommt Preise auch bei den Bierpreisausschreiben. Auch deshalb lehnt sie ab, super billiges Bier für große Geschäftsketten zu brauen. Sie weiß gut, wo ihre Wurzeln sind. Auch deswegen verkauft sie stets die dunkle sechzehn „Der heilige Paulus“, die genau nach der Rezeptur, die mehr als 70 Jahre als ist, gebraut wird. Die Rezeptur verlieh der Brauerei das Nordböhmische Museum.
Auch in der Brauerei selbst wurden seit ihrer Gründung keine größeren Änderungen vorgenommen. Das Bier wird hier völlig gleicherweise gebraut, wie im Jahre 1872, als aus der Küche die erste Schaumcharge herausgekommen ist. Z. B. die Mälzerei hat sich gar nicht geändert. Auch die Gebäude sind dieselben, nur die Ausstattung ist neu. Davon kann sich jeder während einer Exkursion, wo man vom Keller bis zum Boden durchgeht, überzeugen. Die Exkursion endet in der Biergaststätte, wo man alle elf Sorten des hiesigen Bieres probieren kann. Das 140. Jubiläum der Brauerei kann man auch am 14. April, wenn der traditionelle Ball stattfindet, oder am 30. Juni während des Bierfestes feiern.
(Das schreibt die Reichenberger Zeitung. Aber wir Kenner wissen, dass es noch eine Minibrauerei gibt – Fortsetzung im nächsten Absatz.)

RUPPERSDORF
Halleluja! Die Pfarrangehörigen haben das Bier gebraut. Die helle Fünfzehn aus der Hausbrauerei der Franziskaner bei der Kirche des Hl. Anton aus Paduan in Ruppersdorf wird laut der ursprünglichen tschechischen Rezeptur und aus eigenem Hopfen gebraut. In der Osterwoche breitete sich aus dem Pfarrhaus ein süßer Duft aus. In rostfreien Kesseln sprudelt dort im Wasser Malz, das der Grund des hellen Lagerbiers „Ruprecht“ sein wird. Das erzeugt schon einige Jahre mit Erfolg der Pfarrangehörige Pavel Eliáš. Das Bier wird viermal im Jahr gebraut. Das märzliche wird Zierde des Juni-Feiertages des Hl. Franz und nachfolgenden Festes, das alljährlich in Ruppersdorf statt findet.
Es wird immer eine Charge von 50 Liter gebraut. Das ist eine Menge, die man dem Amt nicht melden und die Steuern davon abführen muss. Sonnst aber gibt er sich damit große Mühe. Es wird bei der Pfarrei auch der eigene Hopfen gezüchtet, es ist die hochwertigste Sorte des roten Bieres aus Saaz, es wird auch eigenes Wasser aus eigenen Trinkbrunnen benutzt. Das Bier Ruprecht schmeckt anders als das im Gasthaus. Bei der Herstellung wird nicht das Kohlenstoffdioxid benutzt, und so „schneidet“ das Bier unnötigerweise nicht im Hals und bläht den Konsument nicht auf. Auch der Zucker ist eine Ingredienz, die das Lagerbier nicht enthält. Große Brauereien erleichtern sich die Erzeugung des Bieres, wenn sie den Zucker zugeben. Davon wird Alkohol, und so wird an der Menge des Malzes, das sonst die Quelle des Naturzuckers ist, gespart. So wird es in Ruppersdorf nicht gemacht. Der Zucker gehört in das Bier nicht hinein.

Ein gesegnetes Pfingstfest und viele interessante Begegnungen bei dem Sudetendeutschen Treffen wünscht allen Leserinnen und Lesern des Reichenberger Heimatblattes

Dagmar Neumann.

Posted in Aktuelles, Reichenberg heute Liberec.

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