NACHRICHTEN AUS DER HEIMAT – Oktober 2011

Liebe Heimatfreundinnen und Heimatfreunde,

Oktober – das ist der Herbstmonat, in dem man bei schönem Wetter die wechselnde

Farbe der Blätter bewundern kann, schöne Pilze findet, oder nur so in der

herrlichen Natur wandert und die noch warme Sonne genießt. Dabei gibt es sicher

auch Möglichkeit, auf einer Bank auszuruhen und dabei das Reichenberger

Heimatblatt durchlesen. Und in Gedanken vielleicht zurückzukehren und

vergleichen, wie es mal damals war und jetzt ist…

 

HOCHWASSER IM BEZIRK REICHENBERG

In der dritten Juli-Woche sind die Flüsse Görsbach und Lausitzer Neiße aus den

Ufern getreten. Schäden waren in Reichenberg und Umgebung, z. B. in Neundorf. Im

Isergebirge sind während zwei Tagen 160 mm Wasserniederschläge gefallen.

JESCHKEN

Am zweiten Wochenende im Juli wurde am Jeschken wieder gefeiert. Mehr als 6

tausend Besucher haben daran teilgenommen. Es waren verschiedene sportliche

Wettgewerbe für Kinder (2km Lauf), Erwachsene (Lauf mit Bierfässern – der Sieger

Brauchte nur 45 Minuten bis auf den Gipfel des Jeschkens), Kapellen aller Art

spielten Musik, Ständer mit Köstlichkeiten boten verschiedenes für naschhafte

Zungen an, weiter wurden am Gipfel Filme produziert und abends konnte man ein

festliches Feuerwerk bewundern. Bei warmen, sonnigen Wetter kam so jeder

Besucher auf seine Kosten.

Der Jeschken ist nicht nur Symbol der Stadt Reichenberg, sondern der ganzen

Region. Übrigends ist der Jeschken Wappen des Reichenberger Bezirks. Schon

einige Jahre spricht man über Notwendigkeit, das architektonische und technische

Kleinod rekonstruieren.

Die Ansicht zurück: Nach dem Chronist Carl Rohn wurde im Jahre 1737 am

Gipfelriff das Kreuz, erstes aus der Reihe am Jeschken, aufgerichtet. Er war aus

Stein und stand den Winden und Gewittern bis in das Jahr 1812 wider. Nach seinem

Muster wurden am Gipfel folgend weitere aufgestellt, die aber schon hölzern

waren. Beliebte Ausflugsstelle der Einwohner der Stadt wurde Jeschken nach dem

Jahre 1868, wenn das Ehepaar Florian und Barbara Hasler die erste, teilweise

steinerne Hütte erbauten, die nach dem Fürst Rohan benennt wurde. Dank großem

Interesse wurde bald große Terrasse für mehr als 200 Personen angebaut und im

Jahre 1876 hat der Gipfel den ersten Aussichtsturm erwartet, der aber nach 13

Jahren abgerissen wurde. Auf derselben Stelle wurde ein neuer Aussichtsturm

erbaut, der fester und moderner war.

Im Jahre 1907, dank dem Reichenberger Baumeister Schäfer, entstand in nur sechs

Monaten ein neues Berghotel mit Kapazität von 23 Zimmern und weiträumiger

Veranda, über welche bis in die Höhe von 23 Meter ein Turm mit Aussicht

emporragte. Aber auch diesem Bau war das Schicksal nicht gewogen. Am Ende Januar

1963 kam es zu einem Brand, der das Objekt unwiederbringlich beschädigte. Bei

großer Kälte ist die Wasserleitung eingefroren und bei unvorsichtigen auftauen

mit offenem Feuer kam es zum tragischen Unfall, der die Form des Jeschkens schon

auf immer verändert hat.

Der Jeschken, wie wir ihn heute kennen: Es wurde ein Wettbewerb um Erbau von

zwei Gebäuden ausgeschrieben, und zwar um Fernsehturm und Gaststätte mit

Hotelchen. Am Wettbewerb hat auch Leiter des Projektierungsateliers des

„Regionalen Projektinstituts in Reichenberg“, Diplomingenieur und Architekt

Karel Hubáček teilgenommen. Wie er selbst sagte, erwartete er, dass sie ihn

durchstreichen, weil es zwei Bauwerke auf dem Gipfel sein sollten, und er

entwarf nur ein Bauwerk. Wenn er den Berg beobachtete, wusste er, dass er ihn

verlängern muss. Und dem Sender eine Form des Kegels geben, dass die Winde über

ihn schleifen. Jeschken ist ungeheuer windiger Berg, und eine klassische Wand

hätte viel schlimmer gedient. Weiter war es notwendig, sich mit schwerer

technischen Angabe abfinden. Alle Antennen, die auf anderen Sendern hervorragen,

gab er in den Bau hinein. Es musste eine spezielle Laminat platte entwickelt

worden. Der Architekt kontaktierte die Wissenschaftsakademie, Physiker und

Mathematiker, er suchte einen Partner, der alles berechnen könnte. Bis er

schließlich den Zdeněk Patrmann fand, der schaffte, dass man alles, was

Architekt Hubáček erfunden hat, auch aufbauen kann, ohne abzustürzen. Eine Reihe

von Spezialisten der Wissenschaftsakademie übernahm bestimmte Lösungen in ihre

Forschungen. Das war fantastisch, sonst könnte man es nicht bauen. Am Jeschken

hat man viele Sachen zum ersten Mal in der Praxis versucht. Die Antennen sind

unter dem Kunststoffmantel und den Mantel tragen wieder 12 Meter lange Stangen

aus Plastik. Man wusste nicht, wie man sie machen soll. Bis sie die Fischer

machten. Sie mussten wegen dem ein Loch in die Fabrik durchbrechen, weil es zu

klein war. Sie haben es wunderbar gemacht, sie interessierte es. Jeder, der

mitgeholfen hat, hat so den eigenen Schatten überschritten.

Die feierliche Niederlegung des Grundsteines verwirklichte sich am Samstag, den

30. Juli 1966, um 11 Uhr mit Begleitung unter Tönen des Waldhorns. In den

Unterbau wurde gleichzeitig eine Hülse mit Dokumenten über die Zeit und den Bau

gelegt.

Der Grundpfeiler des Bauwerks ist ein 40 Meter Zylinder aus gezogenem

Stahlbeton, innen mit Aufzug und Treppe. Auf der äußeren Seite des Zylinders ist

wie ein riesiger Rock eine Stahlkonstruktion mit Aluminiummantel aufgehängt. Das

ganze Bauwerk auch mit der Fernsehantenne ist 84 Meter hoch. Die Fernsehantenne

hat die natürliche kegelförmige Silhouette des Jeschkens vollendet und hat sie

auf 1.088 Meter höher gemacht.

Im Erdgeschoss des Gebäudes ist Küche, Restaurant und Fernsehturm untergebracht,

im ersten Stock die Hotelselbstbedienung und Eingangsräume in das Gebäude mit

runder Aussichtsterrasse. Im zweiten Stock befindet sich Restaurant für 250

Gäste. In weiteren Stockwerken sind 16 Zimmer für Gäste, einige für Angestellte

und technische Räume. Das Hotel ist mit Erdöl beheizt und hat eigene

Klimaanlage.

Die feierliche Eröffnung war im Jahre 1973. Es war auch Herr Gustáv Husák,

damals der Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei,

anwesend. Der Architekt Hubáček durfte nicht teilnehmen. Die Kommunisten mochten

ihn nicht und er sie auch nicht, so wurde er nur geduldet. Als die örtlichen

Funktionäre Herrn Husák erklärten, dass der Architekt Hubáček dabei wirklich

nicht sein sollte, so hat er ihn gesagt, dass er sich vor ihm wie vor dem 13.

Apostel fürchtet. Der Herr Hubáček hat sich schlecht gefühlt. Er saß draußen,

sah, wie Herr Husák mit seiner Kolonne angekommen ist, und so ging er nach

Hause. Auf diesem Beispiel kann man gut die absurden Seiten des fungierenden

Sozialismus sehen. Herr Hubáček wäre ja nicht in die Partei eingestiegen, nur,

dass sie ihn zur Eröffnung des Gebäudes, das er erfindet hat, hinlassen. Dies

wurde ihm oftmals angeboten, wie auch als weiteres Paradox in Zusammenhang mit

dem Jeschken sein Autor, Architekt Hubáček, hingewiesen hat.

REICHENBERG – STADT DER SKULPTUREN

Eine neue Kunstrichtung macht Reichenberg zur Stadt der Skulpturen. Die

Gesellschaft SPACIUM, die vor zehn Jahren entstanden ist, bemüht sich, dass

Reichenberg die bildende Kunst ein untrennbarer Bestandteil des Lebens sein

wird. Es handelt sich um Werke von hochwertigen künstlerischer Qualität. Die

Verfasser sind bedeutende tschechischen Bildhauer, die sich schon ihren

namhaften Platz in der Entwicklung der Bildhauerkunst mindestens die letzten

zwei Jahrzehnte eroberten, wie z. B. Lukáš Rittstein, Jaroslav Rona, Milan

Houser, Petr Janda und Martina Klouzová-Niubo. Die Skulpturen sind einerseits im

Freiraum auf die Dauer situiert, manche andere Ausstellungen sind andererseits

zeitlich begrenzt.

– Die „Kugel“ verschönert den Platz unweit des Hotels „Zum Goldenem Löwe“. Sie

ist aus hochpolierten Halbkugeln aus Laminat erzeugt und in der Mitte ist ein

Streifen aus Plexiglas, der in der Nacht leuchtet.

– „Frühstück der Riesen“ kann man an der Bushaltestelle in der Nähe von der

Bibliothek finden. Es ist eine umfangreiche Bronzestatue. Auf dem Riesentisch,

der die Haltestelle bildet, sind Gegenstände ausgebreitet, die eine Verbindung

zur Geschichte der Gleichzeitigkeit des Reichenberges Bezirks haben.

– „Goldenes Bänkchen – Ewige Zärtlichkeit“ wird auch bei dem Warten auf die

Straßenbahn direkt an der Straßenbahnhaltestelle am Tuchplatz ausgenutzt.

– „Denkmal den Opfern der Totalität“ befindet sich im Park gegenüber der

Liebieg-Villa. Es ist aus spiegelnden Flächen zusammengestellt und reflektiert

die Umgebung.

– Die „Vögel“ sind vor dem Rathaus ausgestellt und wurden zu einer populären

Erfrischung des Raumes am Marktplatz, besonders von den Kindern ausgenutzt.

– Im Innenraum des Gebäudes des neuen Magistrats, im Raum der zentralen Halle,

schwebt ein Mädchen mit Luftballons. Dieses Denkmal trägt den Namen „Erfüllter

Traum“.

– Die „Pforte der Champions“, fast fünf Meter hohes Denkmal des geneigten

Skifahrers, stilisiert eine Form sportlicher aufblasbarer Pforte an der

Endstation der Straßenbahn in Oberhanichen unter dem Jeschken. Das Denkmal

begrüßte als Blickfange die Besucher der Weltmeisterschaft im klassischen

Skilauf, die in Reichenberg im Februar 2009 statt fand. Der Skifahrer blieb in

Reichenberg auf die Dauer als symbolisches Tor des Eingangs in das Ski- und

Freizeitareal Jeschken.

– Die „Lampe Edison“, eine künstlerisch bearbeitete Lampe, wurde im Durchgang

vom Rathausplatz zum Kaufhaus Plaza angebracht. Die Stelle ist lebendig, aber

gleichzeitig auch intim, was der Lampe einen gewissen Anschein zuspricht, dass

es sich um ein künstlerisches Artefakt handelt, das in einer Galerie ausgestellt

ist.

Die Stadt Reichenberg wurde so mit diesen Denkmälern zu wirklichem Museum der

modernen Exterieuren- Kunst.

SPORT IN REICHENBERG

Am 31. August hat im Sportareal Jeschken (Sprungschanzen mit Kunstoberfläche)

und Dörfel (Langlauf mit Roll-Ski) die FIS Summer Grand Prix 2011 in Nordischen

Kombination statt gefunden. Es haben sich 66 junge Sportler aus der ganzen Welt

beteiligt.

STRASSENBAHNVERKEHR IN REICHENBERG

Nach fast zwei Monaten fährt in Reichenberg wieder die Straßenbahn über

Maffersdorf Richtung Gablonz an der Neiße. Sie fährt jetzt direkt durch das

ehemalige Gelände der Textilfabrik TEXTILANA, und zwar zweigleisig. Nur in

Maffersdorf ab der Apotheke bis zur Kirche bleibt die Straßenbahn eingleisig.

Die Gablonzer Straße wurde repariert und verbreitet. Es entstanden neue Bus- und

Straßenbahnhaltestellen. Nach Plänen sollte der Straßenbahn verkehr Richtung

Röchlitz neu gebaut werden, aber wegen Finanzmangel wurde diese Aktion auf

später verschoben.

CHRISTOFSGRUND

Eine von den diesjährigen Attraktionen des Dorffestes am letzten Wochenende im

Juli war auch die komplett vollendete Turmuhr, dritte in der Tschechei. Zum

ersten Mal konnten die Leute auf de Turmuhr auch die beweglichen Phasen des

Mondes und den Tierkreis sehen.

Weiter wartete auch die Besucher verschiedene Musik, Dudelsackspieler,

Jahrmarktstheater mit lebendigen Schlangen und Schnellschule, wo man jonglieren

lernen kann, handwerklicher Jahrmarkt, altböhmische Leckerbissen und Feuerwerk.

Am Sonntag fand in der Kirche des heiligen Christophers die heilige Messe

statt.

Nach Kriesdorf fuhr der Dampfzug und zur Verfügung waren auch historische

Autobusse.

JABERLICH

Im Bild sieht man den Bau des neuen Riesenfasses. Er soll im November dieses

Jahres vollendet sein, danach werde ich mehr darüber schreiben.

Einen schönen Altweibersommer, ideal für Wanderungen, so wie ihn die

Meteorologen prognostizieren, wünscht allen herzlich

Dagmar Neumann.

 

Posted in Aktuelles, Reichenberg heute Liberec.

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