Althabendorf

Die Marktgemeinde Althabendorf

 

 

Gemeindebetreuer:

Ferdinand Appelt

 

 

Der Ort umfaßt die beiden bis 1850 selbstständigen Gemeinden Althabendorf an der Reichenberg-Zittauer und Neuhabendorf an der Reichenberg-Friedländer Reichsstraße. Die ursprüngliche Bauernsiedlung Habendorf wurde am südwestlichen Abhang eines breit ausladenden Hügels angelegt, der aus den Tälern der Görlitzer

und der Schwarzen Neiße ziemlich steil aufragt und nur im Nordcn gegen den Nachbarort Schönborn hin allmählich absinkt. Die Häuser vou Neuhabendorf, das Graf Clam 1761 als eine Siedlung für Weber, Bleicher und Strumpfwirker gründete, stehen am rechten Ufer der Schwarzen Neiße und an der südlichen

Berglehne.

Der Orientierung dienten die alten Flurnamen wie Quark- und Goldberg, Schürbelplan und Schaftreibe, Schaf- und Fuchsbrücke, Schönborner und Neuhabendorfer Zeile. Der Kessellochbach floß zwischen hohen Fichten und Felsblöcken und dann durch eine idyllische Waldwiese dahin und füllte vor seiner Mündung in die Neiße noch das Becken eines viel besuchten Waldbades. Daran knüpfen sich sehr fröhliche und zuletzt noch sehr traurige Erinnerungen, denn die Russen benützten das umzäunte Gelände am Kriegsende 1945 als Auffanglager für viele gefangene deutsche Soldaten. Maschinengewehre standen daamals hoch oben

auf der Felsenwand.

 

Mit einer Besonderheit anderer Art beginnt die Geschichte Habendorfs. Obwohl es mit seinen acht Bauernhöfen noch 1550 eine verhältnismäßig kleine Siedllung war, besaß es doch schon 1411 eine Kirche, wenn sie auch nur ein kleines Hochblockhaus gewesen sein mag. Es befassen sich nämlich 1411 bis 1413 einige Urkunden mit der Bestellung eines Pfarrers für die Kirchen von Reichenberg und Habersdorf, da mit Habendorf identisch ist und das hier erstemal erwähnt wird.

Seine Gründung war natürlich bereits früher erfolgt. Die Benennung nach einem Siedlungsanführer namens Habert, in älterer Form Hadebert, althochdeutsch Hadubrecht,  weist unter anderem den Ort als eine alte deutsche Siedlung aus. Nach Dr. Hans Dittrich entstand den Sprachgesetzen zufolge aus Hadebertsdorf Habersdorf und schließlich der Name Habendorf. In dieser Form taucht er schon 1469 in einer Urkunde auf, die davon berichtet, daß hier die Gegner der Hussiten, unter ihnen die Bibersteiner, ein großes Heerlager mit 4000 Fußsoldaten und 750 Beritten bezogen hatten. In der Zwischenzeit von 1411 bis 1469 wird der Ort in keiner bekannten Urkunde erwähnt. Es ist möglich, dass er schon in den ersten Hussitenkriegen zerstört und dann wieder aufgebaut wurde, denn die Hussiten überfielen bereits 1433, urkundlich nachgewiesen, die Dörfer des Dachs von Hammerstein, um Rache zu nehmen für ihre erste Niederlage 1429 in der Schlacht bei Machendorf.  

1608 kam der Erbrichterhof durch Tausch in den Besitz der Gräfin Schlick, einer Schwester der Katharina von Redern, unter deren Herrschaft 1599 der Bau einer neuen Kirche im Ort vollendet worden war. Der Meierhof behielt trotz des wiederholten Wechsels der Besitzer, zwischendurch auch wieder bäuerlich, bis 1906 den Charakter eines herrschaftlichen Landsitzes. Ein kleiner Teich und eine mit Säulen verzierte Grotte schmäckten den von einer Mauer umschlossenen Park. An dieser Stelle befindet sich heute der Marktplatz, der zum Teil noch von den alten Gebäuden umrahmt wird. 

Vor hier aus, sowie von der alten Bleiche in Neuhabendorf Nr. 1 (Königshaus) und den neu erreichteten Fabriken in Althabendorf Nr. 1 und 2 (nachmalige Zimmermannfabrik), nahm die Industrialisierung Nordböhmens ihren Anfang. Der Reichenberger Tuchkaufmann J. G. Berger stellte 1802 im Meierhof gegen den heftigen Widerstand der Zünfte 32 Webstühle der neuesten Konstruktion auf. Er importierte aus den Niederlanden die ersten Spinn- und Schermaschinen und Schafwollkrempeln. Seine berühmte Leinwanddruckerei und die Schafwollfärberei betrieb er bereits seit 1804 mit Dampf. 1810 kamen in seiner Fabrik die ersten Schnellschützen zur Verwendung. So führte Berger in unserer Heimat den Bruch mit dem mittelalterlichen Zunftwesen herbei, indem er die bisher als Heimarbeit betriebene Tucherzeugung fabrikmäßig ausüben ließ, und dies zunächst in Alt- und Neuhabendorf. Er starb 1810 un wurde auf dem Kirchhof, wenige Schritte von der Stätte seines Wirkens entfernt, begraben. Eine Inschrift im Vorraum der Kirche erinnert an diesen ersten Großindustriellen der Reichenberger Gegend.

Die Firma Brüder Siegmund beschäftigte mit der Tucherzeugung in ihren 1895 neu gebauten, damals sehr modernen Fabriksanlagen an die 500 Arbeiter. Sie mußte aber infolge der Weltwirtschaftskrise ihren Betrieb einstellen. Er wurde 1938 an die Firma Preh ,,Elektromechanik“ verkauft, die im zweiten Weltkrieg zu einem Rüstungsbetrieb mit über 500 Fremdarbeitern wurde. 

Während noch 1780 dasgewerbetreibende Neuhabendorf 34 Häuser aufwies, das bäuerliche Althabendorf nur 26, war das Verhältnis 50 Jahre später gerade umgekehrt, nämlich 104 zu 38 für Althabendorf. Das war eine folgeerscheinung der aufblühenden Industrie. 1945 zählten die vereinigten Orte zusammen 341 Häuser mit annährend 2500 Einwohnern. 

Schulverhältnisse und Kirchen

Wie in allen Dörfern gabe es in den ersten Jahrhunderten auch in Habendorf kein Jugendunterreicht. Erst 1612, zu Zeit der Redern, erfolgt die erste urkundliche Erwähnung einer Filialschule von Reichenberg in Habendorf. Während des 30jährigen Krieges wird sie kaum weiter bestanden haben. Erst 1658 beginnt mit dem Schulmeister und Kirchenschreiber Batolomäus Löffler eine Reihe namentlich bekannter Lehrer, die von ihm bis 1945 zu dem letzten deutschen oberlehrer Otto Kittel reicht. 

1776 wurde wie in allen Kirchenorten hier eine Trivialschule errichtet. In diese Zeit, spätestens 1789, fällt nach dem katastrophalen Inspektionsbericht des Kreisschulkommissars Zenker der Bau eines massiven Gebäudes der sogenannten, noch bestehenden „Alten Schule“ Nr. 29. Sie diente mit zwei Unterrichtsräumen und einer Lehrerwohnung bis 1884 ihrem Zweck. 

Die 1727 erbaute Kirche war eine der schönsten des ganzen Umkreises. Sie hörte erst 1902 auf, eine Filialkirche von Reichenberg zu sein. Der erste Pfarrer von Althabendorf bezog das vom Patronatsherrn Zimmermann gestiftete Pfarrhaus. Im selben Jahr begannen geistliche Schwestern in der zweiten Zimmermannschen Stiftung, in dem reich ausgestatteten Kindergartengebäude, ihre gemeinnützige Arbeit. 

 1872 bekam der Ort ein eigenes Postamt, 1875 einen Bahnhof an der neu eröffneten Südnorddeutschen Verbindungsbahn und 1879 eine Verbindungsstraße zwischen den beiden Reichsstraßen. 

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