Chronik der Stadt Reichenberg: 4. November 1912 Fortsetzung

Die Offiziere waren meist junge Herren von intelligentem Gesichtsausdruck. Sie trugen ebenfalls die einfache Uniform der Soldaten, allerdings aus etwas besserem Stoffe, der Fez bestand aus gefälliger Stickerei mit buntfarbigem Aufsatz. Ferner trugen die Offiziere hellgraue Mäntel und Ferngläser. Die Eskorte der türkischen Truppenabteilung besorgte eine Abteilung des 52. Infanterie-regiments unter dem Kommando des Oberleutnants Gautsch. Die Reise ging über Bonsich-Brod, Marburg, Graz, Wien und Brünn und hatte über 2 Tage und 2 Nächte in Anspruch genommen.

Die türkischen Offiziere beziehen jetzt die Gagen der österreichisch-ungarischen Offiziere in der entsprechenden Charge, die türkische Mannschaft erhält den Sold und die Verpflegung nach unsren Vorschreibungen für die tituell vorgeschriebene Kost, wie sie für die Mohammedaner in der österreichisch-ungarischen Armee zubereitet wird, insbesondere ist verfügt worden, daß zu der Zubereitung der Speisen kein Schweinefett verwendet werde, da dies gegen die rituelle Speisenordnung der Mohammedaner verstößt. Die Bewachung der türkischen Truppen in der Notkaserne wird durch eine Abteilung des 74. Infanterie-Regimentes besorgt, auch vor der Kaserne wurde ein Posten bezogen, der viel Mühe hat, all die Neugierigen abzuwehren, welche die Türken nun auch in den Mannschaftszimmern sehen wollten.

Die türkischen Offiziere können sich frei bewegen und werdne nicht militärisch bewacht, mußten aber ihr Ehrenwort geben, daß sie die Stadt nicht verlassen werden. Sie besuchten gestern bereits die hbiesigen Kaffeehäuser.

Über ihr Kriegsabenteuer berichten sie: „Wir waren ganz ahnungslos und wurden von den Montenegrinern überfallen. Sie kamen die Abhänge des Durmitor herab und schlichen sich bis an die Stadtlisre heran. Trotz unserer Überraschung hileten wir uns so lange, als unser Patronenvorrat reichte. Die Montenegriner waren uns der Zahl nach weit überlegen und als wir unsere Minition verschossen hatten und einige von uns gefallen waren, beschlossen wir, unsere Leute gegen die österreichische Grenze zu führen. Den Weg von Plevlje bis Metalka legten wir in Gewaltmärschen zurück. Wir hielten uns meist an die von Österreichern angelegte Straße. In Metalka empfing uns österreichisches Militär. Wir wurden entwaffnet und nach Sarajewo gebracht. Die Österreicher haben uns ausgezeichnet behandelt.“

Die Kosten des Aufenthaltes der türkischen Truppen trägt die Militärverwaltung „gegen Rückschluß“.

 

Quelle: Chronik der Stadt Reichenberg 1.1.1901 bis 31.12.1929

 

zum Teil 1

 

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