Professor Winifred „Winnie“ Jakob verstorben

In tiefer Trauer geben wir Nachricht, dass Frau

Professor

Winifred „Winnie“ Jakob

am Mittwoch, dem 26. Dezember 2012, nach langem, schweren Leiden,

vorbereitet durch die Krankensalbung, im 86. Lebensjahr friedlich von uns gegangen ist.

Die liebe Verstorbene wird auf dem Friedhof Penzing (1140 Wien, Einwanggasse 55)

aufgebahrt und am Dienstag, dem 15. Jänner 2013, um 14 Uhr

nach feierlicher Einsegnung zur Ruhe gebettet.

Die heilige Messe wird in der Pfarrkirche zum heiligen Laurenz am Schottenfeld

(1070 Wien, Westbahnstraße 17) am Montag, dem 21. Jänner 2013, um 18 Uhr gelesen.

 

Die tieftrauernden Hinterbliebenen

 

 

 

Erst im Feber 2009 hat „WIN“ das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst für ihr Lebenswerk als Zeichnerin im Wappensaal des Wiener Rathauses von Kulturstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny verliehen bekommen. Er betonte bei seiner Begrüßung zu Winnie Jakob, daß es eine Besonderheit war, sich als Frau in einer Männerdomäne der Karikaturisten, als „Satirikerin des Stiftes“, einzubringen. Sehr viel Wissen und gesellschaftliche Zusammenhänge waren für diese Arbeiten Voraussetzung. Aber neben ihren charakteristischen Strichen hat sie auch in anderen Bereichen der Bildenden Kunst, wie Landschaftsmalerei, Schönes geschaffen.

Die Laudatio hielt Dietmar Grieser – der bekannte Buchautor (z.B. Die böhmische Großmutter) – wo er ein Feuerwerk seiner Würdigung für Winnie Jakob zündete. Im Mai 2009 folgte im Wiener „Haus der Heimat“ ihre Ausstellung „Mit meiner böhmischen Seele – gezeichnetes von Prof. Winnie „WIN“ Jakob, Reichenberg/Wien. Präsentiert wurden über 30 Bilder und Zeichnungen durch die Künstlerin persönlich!

Wer ist diese Person, die seit mehr als fünfzig Jahren die Großen dieser Welt – insbesondere der Theater- und Musikwelt – mit ihrem Zeichenstift herausforderte?

Karikaturist ist ein Männerberuf. Will es in diesem Metier eine Frau zu Erfolg bringen, muß sie ein Genie sein. Winnie Jakob ist dieses Genie gewesen.

In Reichenberg geboren

Da wollen wir natürlich wissen, wie sie das geschafft hat. Also leicht war’s nicht. Im böhmischen Reichenberg/Liberec, kommt sie am 17. Mai 1927 als Winifred Victoria Jakob zur Welt. Ihr Vater, Absolvent der Wiener Handelsakademie (und dort einer der Mitschüler von Karl Farkas), ist Industrieller; seine „Tuch- und Schafwollwarenfabrik“ stellt unter anderem die Uniformstoffe für das österreichische Militär her. Mutter Alice ist eine ausgebildete Konzertpianistin.

Auch die kleine Winnie zieht’s zum Klavier. Ihren Bach übt sie mit solcher Hingabe, dass die um ihr Instrument besorgte Mutter den Steinway absperren und dem Töchterl ein eigenes Pianino hinstellen muss. Mit fünf Jahren lernt Winnie Ski laufen, mit sechs wird sie in die Balletschule geschickt. Eine weitere Passion sind die Pferde – in späteren Jahren wird sie sich sogar als Dressur- und Turnierreiterin einen Namen machen und als Reitlehrerin (übrigens mit einem echten Lipizzaner am Zügel).

Doch zurück in die Kindheitsjahre. Es ist ein durch und durch musisches Elternhaus, in dem das Multitalent Winnie Jakob aufwächst: Onkel Anton Baumann bringt es bis zum Kammersänger und Intendanten der Wiener Volksoper; Onkel Rudolf Krausz ist einer der Architekten, auf die die ersten Wiener Gemeindebauten zurückgehen (und wohl auch Winnies zeichnerische Begabung).

1945 vertrieben

1945 wird die Familie aus der wiedererstehenden Tschechoslowakei vertrieben, obwohl die Jakobs nicht zu denen zählen, die beim Einmarsch der Hitler-Truppen im März 1939 in Jubel ausgebrochen sind. Sie fühlen sich als „Deutsch-Böhmen“, halten während der Protektoratszeit sogar jüdische Freunde in ihrer Wohnung versteckt.

Der Start in der neuen Heimat Oberösterreich könnte schwieriger nicht sein; auch die gerade 18 gewordene Winnie muss bei der Existenzneugründung mithelfen. Dank ihrer vorzüglichen Englisch-Kenntnisse kommt sie als Dolmetscherin bei der amerikanischen Besatzungsmacht unter. Zwar erhält sie im Jahr darauf einen Studienplatz an der Linzer Kunstgewerbeschule, doch im Hinblick auf die miserablen Berufsaussichten in der Graphikbranche entscheidet sie sich schweren Herzens für „Handfesteres“ und lässt sich an der Universität Graz zur Englisch-Dolmetscherin ausbilden.

Mit einer Stelle als Übersetzerin am US-Konsulat in Salzburg kann sie sich allerdings einen alten Wunschtraum erfüllen: Hier, wo einst Onkel Anton Baumann den Rocco im „Fidelio“ gesungen hat, wäre sie dem von ihr so sehr geliebten Festspielbetrieb nahe, fände zu der einen oder anderen Aufführung Zugang, erhielte vielleicht sogar Gelegenheit, manche der in Salzburg gastierenden Sänger und Dirigenten von Weltruf zu porträtieren.

Talent wiedererwacht

Denn inzwischen ist ihr jahrelang brachliegendes bildnerisches Talent wiedererwacht, und seitdem sie sich, auf ein Inserat der Wiener Zeitschrift „Bilderwoche“ reagierend, mit Erfolg als Witzzeichnerin betätigt, reift in ihr der Entschluss, was bislang nur Hobby gewesen ist, zum Beruf zu machen.

Muss sie sich die erste Zeit noch mit Schwindelmanövern wie „Mein Bräutigam ist Philharmoniker“ in die Konzert- und Theatersäle einschleichen, so verschafft ihr die von ihrer Redaktion erwirkte Akkreditierung bei den Salzburger Festspielen endlich ungehinderten Zutritt zu den Proben, und Winnie kann nach Herzenslust Koryphäen wie Wilhelm Furtwängler oder Clemens Holzmeister und Publikumslieblinge wie Hans Moser oder Helene Thimig mit Zeichenstift und Tuschfeder festhalten: bleibende Dokumente von atemberaubender Treffsicherheit.

Nur die Abnehmer ihrer Werke – die fehlen vorderhand noch. Erst im Festspielsommer 1959 ist es endlich so weit: Eine Pressekonferenz im Hotel Österreichischer Hof, bei der die Trias Karajan / Böhm / Mitropoulos den aus aller Welt angereisten Medienvertretern Rede und Antwort steht, bringt Winnie Jakob den ersehnten Durchbruch. Der Wiener Musikkritiker Herbert Schneiber ist es, der auf die in Minutenschnelle aufs Zeichenpapier gezauberten Karikaturen der drei Maestri aufmerksam wird, sie der Künstlerin aus der Hand reißt und in seiner Zeitung publiziert. Die Leser sind begeistert, verlangen nach Fortsetzung.

Chiffre WIN

Laufend erscheinen nun also – unter der Chiffre WIN – Winnie Jakobs Künstlerportraits in den österreichischen (und bald auch ausländischen) Blättern, in den Programmheften der Theater, in einschlägigen Büchern. Auch das noch junge Fernsehen greift zu und setzt Winnie Jakob in Live-Sendungen als Schnellzeichnerin ein; in Stift Geras gibt sie Sommer für Sommer ihr Können in Karikaturkursen weiter; Hans Weigel engagiert sie als Illustratorin seiner Attila-Hörbiger- und seiner Josef-Meinrad-Biographie.

Derart rasant wächst Winnie Jakobs Oeuvre an, dass es schon bald ganze Buchbände füllt: „Karajan con variazioni“, „Die Wiener Oper“ und „Die Herren Lipizzaner“ sind einige der Titel. Es folgen Ausstellungen ihrer Werke im In- und Ausland. Öffentliche Sammlungen kaufen WIN-Blätter an, und sogar Walt Disney, den sie während der Dreharbeiten zu dem Hollywood-Film „Die Flucht der weißen Hengste“ kennenlernt, zeigt sich an ihrer Kunst interessiert. Dass er ihr dennoch davon abrät, für ihn zu arbeiten, zeugt für seinen hohen Respekt vor Winnie Jakobs Genius. Mit den Worten „It would ruin your talent“ macht er ihr klar, dass über der Fließbandarbeit im Trickfilmstudio ihr kreatives Potential verkümmern würde.

Als „gezeichnete Kammermusik“ rühmt einer ihrer vielen Bewunderer Winnie Jakobs Gabe, mit wenigen Strichen das Charakteristische ihrer Modelle herauszuarbeiten, „ein gezeichnetes Österreich-Lexikon“ nennt es ein zweiter, und Förderer Hans Weigel fasst sein Urteil in die Worte: „Sie nimmt so viel von der Figur weg, dass das Ganze übrigbleibt.“

Sie erhielt unter anderem folgende Auszeichnungen:

  • Max Reinhardt Medaille der Salzburger Festspiele (1970)
  • Liebieg Medaille des Heimatkreises Reichenberg für Kunst und Wissenschaft (1982)
  • Sudetendeutscher Kulturpreis (1994)
  • Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst (10. Februar 2009)

Winnie arbeitete seit Jahrzehnten beim ORF-Kinderprogramm mit.

 

Die Sudetendeutschen in Österreich und alle Reichenberger neigen sich in Dankbarkeit vor der großen Künstlerin, aber auch davor, dass Frau Prof. Jakob nie ihre Heimat vergessen hat und treu zur Sudetendeutschen Landsmannschaft in Österreich und zum Heimatkreis Reichenberg stand.

 

Quelle:http://www.sudeten.at/de/index.shtml

 

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