Nachrichten aus der Heimat – von Dagmar Neumann

Liebe Heimatfreundinnen und Heimatfreunde,

im April kann man wieder das wunderschöne Fest der Auferstehung Jesus feiern. Dazu wünsche ich auch fröhliche Osterfeiertage und viel Spaß bei den Ostereiersuchen!

REICHENBERG:- BRÜCKEN UNWEIT ANNAHOF:

Die Reichenberger Speläologen haben einen Kanal durchgesucht, weil niemand wusste, wohin er führt. Einige Meter unter dem Kreisverkehrsplatz beim Annahof, den früher die Familie Proksch, Klavierbauer, berühmt machte, die hier ein repräsentatives Geschäft mit Musikinstrumenten und einen Ausstellungssaal ansiedelten (im Haus ist jetzt die Gaststätte PLAUDIT), haben sie zwei unversehrte Steinbrücken aus Granitblocken aus der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts entdeckt. Jetzt ist dort kein Wasser mehr, aber noch im 20.Jahrhundert floß unter ihnen der Harzdorfer Bach aus der Talsperre. Das Stadtzentrum sah damals ganz anders aus. Noch vor hundert Jahren fuhren über die Brücken Kutscher mit Fuhrwerken, heute rollen über ihren Tausende von Automobilen. Unsere Vorfahren wollten sich höchstwahrscheinlich nicht mit der Abtragung der Brücken aufhalten, und so haben sie sie einfach zugeschüttet. Es geschah am Ende der 20. Jahre des vorigen Jahrhunderts. Der Harzdorfer Bach trat regelmäßig über die Ufer und hat die damalige riesige Wiese überflutet. Damit die Reichenberger weiter bauen konnten, mussten sie etwas machen. Und so wurde der Bach, der den Annahof vermeiden musste, überdacht und verglichen; so entstand ein Floß auch für weitere Häuser und die Überschwemmungen endeten. Die Brücken wurden damit außer Betrieb gesetzt. Das alte Bachbett dient heute nurmehr für das Regenwasser. Das Gebiet um Annahof ist wahrscheinlich der älteste Teil von Reichenberg. Gerade dort stand einst eine Schwemme, dann eine Holzbrücke und es führte dort wichtiger Geschäftspfad aus Böhmen in die Lausitz. Um ihn entstanden im 16. Jahrhundert ein Hammerwerk, das Gasthaus Zum grünen Baum und auch das alte Spital. Und Ende des 19. Jahrhunderts dann der Annahof.

– GEBEINE DES GRAUSAMEN PLATZES:
Die Krypta unter der Kirche des Hl. Kreuzes hat den Totenkopf des bekanntesten herrschaftlichen Beamten des Geschlechtes von Gallas herausgegeben. Den Reichenberger Archäologen ist es gelungen, mit der Sage einer der bekanntesten Reichenberger Sage vom schreckenden Geiste des Karl Christian Platzes erschüttern. Bei der Erkundung des Untergrundes der Barockkirche des Hl. Kreuzes im Zentrum Reichenberg fanden sie seine Gebeine und seinen Totenkopf. Der Sarg lag im älteren Teil der Gruft, aus dem Zeitalter, in dem der Platz lebte. Auch wenn der Sarg jetzt recht vormodert ist, einstmals musste er reich verziert mit Schmieden und bemalt sein. Und genau in solchem wurde Platz beigesetzt. Christian Platz hat sich ursprünglich nicht mit dem Zusatz „von“ geprungen. Er wurde im Jahre 1663 in der Familie des Leinwebers geboren. Er war aber ziemlich ehrgeizig, intelligent und rücksichtslos, und so hat er sich zu einem bedeutenden Angestellten hinaufgearbeitet. Die Gallassen haben ihn insoweit liebgewonnen, dass sie ihn im Jahre 1702 in den Adelsstand und später sowohl auch in den Ritterstand erhoben. Die Menschen haben ihn aber gehasst. Er vergaß schnell, woher er hergekommen ist und er wurde bekannt durch seine Brutalität gegen Untertanen. Platz starb im Jahre 1722 und war einer der zwölf Menschen, die in der Krypta unter der Kirchedes Hl. Kreuzes beerdigt wurden. Die Krypta wurde im Jahre 1788 gänzlich geschlossen. Wenn man nicht die Diebe einrechnet, wurden die Reichenberger Archäologen die ersten, die nach der Schließung in die Krypta hineingeraten sind und haben siekartiert. In einigen Särgen wurden Knochen von mehreren Menschen gefunden, ein Totenkopf war rot angestrichen. Schwer zu sagen, ob das eine gewisse Absicht war. Das sollte die Analyse bestätigen. Die Krypta haben die Archäologen durchgesucht, geschlossen und nochmals kommensie in sie zurück. Bis dahin wird sie aber weiter das Geheimnis des Platzesbewachen. Nach ihm steht der Reichenberger Hauptmann aus dem Grabe auf, lauf umdie Gegend rum und im Isergebirge und schneidet die Steine durch. Den Friedefindet er angeblich, bis er alle Steine aufschlitzt.

– DER 15. MERIDIAN:
Der Mittagskreis ist eine Verbindungslinie zwischen Nord-und Südpol. Mit den Parallelkreisen bestimmt er Ort und Zeit. Der wichtigste ist der Greenwicher in London. Der 15. Meridian der östlichen Länge, einer von den 24, kommt über die tschechisch-polnische Grenze bei Bogatynia zugelaufen, passiert zwischen den Windkraftanlagen ober Wittig bei Kratzau, einen Teil von Althabendorf und Machendorf, Berzdorf, Karolinsfeld, führt nach Jaberlich, über den Jeschkenkamm und zielt auf Böhmisch Aicha direkt über den Marktplatz. Nachdem Nullmeridian hat er Verspätung um eine Stunde. Er gilt für Bereich von derWestküste Spaniens bis zu Nordosten von Norwegen. Nach ihm richten sich die Uhr die Leute von Frankreich bis Ukraine.

– EYOWF:
Vom 12. bis 19. Februar 2011 fand in den Sportarealen in Dörfel und am Jeschken, in der Reichenberger TIPSPORT-ARENA, in Gablonz an der Neiße und in Reiditz die10. Europäische Winterolympiade der Jugendlichen statt. Es haben 1.511 Teilnehmer der Sportexpeditionen, davon 936 Sportler aus 44 Staaten Europas, in8 Sportarten teilgenommen. Die jungen Sportler beworben sich um 216 Medaillen. Das Hotel „Goldene Löwe“ wurde zum Gastgeber für alle VIP-Gäste. Hier war auch die Akkreditierung und in Räumen des Hotels fanden alle wichtigen Besprechungenund Konferenzen statt. Bei der Eröffnungszeremonie war auch der Präsident des Internationalen Olympischen Ausschusses, Herr Jacques Rogge, anwesend. In der TIPSPORT-ARENA wurde das olympische Feuer von einer jungen Akrobatin, die von oben herab auf dem Schaukelreck verkehrt herabgesenkt wurde, angezündet. Der Kinderchor „Severáček“ hat die tschechische Hymne gesungen. Die Tschechische Republik erwarb mit zwei Goldmedaillen (Eiskunstlauf und Parallel-Slalom-Snowbording) den 6. Platz Das attraktive Endprogramm mit einem fantastischen Zeremoniell beendete die 12. Europäische Winterolympiade derJugendlichen. Reichenberg wurde so zu einem Schanzentisch zu wahrer Olympiade für alle zukunftsvollen Sportler aus ganz Europa. Und dazu wurde auch den Sportlern hochwertiges und professionelles Umfeld angeboten. Vom Präsidenten desEuropäischen Olympischen Ausschusses, Herrn Patrick Hickey, der die ganze Woche anwesend war, wurde den Reichenberger Organisatoren der Jugendolympiade für die fehlerfreie Organisation Dank ausgesprochen.

Schönes Wetter zum Spazieren, viel Sonne auch in der Seele, wünscht allenherzlich Dagmar Neumann.

Posted in Aktuelles, Reichenberg heute Liberec.

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