NACHRICHTEN AUS DER HEIMAT: Mai 2013

Liebe Heimatfreundinnen und Heimatfreunde,

der Wonnemonat Mai ist wieder hier und uns erwartet das schöne und besinnliche Pfingstfest. Dabei werden sicher die Erinnerungen an die Kindheit wach und dazu werden vielleicht auch ein bisschen die regelmäßigen Nachrichten aus Reichenberg und Umgebung beitragen:

REICHENBERG

-Osterbräuche: Diesmal möchte ich mit diesem Artikel die Ritualhandlungen des Osterfestes nahebringen, so wie es im heutigen Reichenberg/Liberec zugeht, und dabei auch die große geistige Sendung des Ostern vermitteln:

 

 Die Osterwoche beginnt am Palmsonntag, wenn die Weidenkätzchen in der Kirche während des feierlichen Gottesdienstes geweiht werden. 

Die Osterzeit in der Stadt Reichenberg hat mit einigen Ausstellungen angefangen: Im Rathauskeller konnte man vieles, was die Kinder aus mehreren Kindergärten gebastelt haben, bewundern. In der Gemäldegalerie und im Nordböhmischen Museum konnten sich die Kinder mit Eltern zum Osterfest etwas selber in der Werkstatt basteln; so war das auch in Maffersdorf – vor und in dem neuen Kulturhaus. Am Kreisamt fand, so wie schon traditionell viele Jahre, eine Verkaufsausstellung statt. Die Senioren aus Altersheimen und verschiedenen Anstalten, auch Behinderte, haben hier sehr schöne Sachen mit Ostermotiven präsentiert. Immer wieder findet man neue Inspiration und Mut, etwas Ähnliches zu Hause selbst machen. Es bringt Freude und ist vor allem ein Original!
Am Rathausmarkt standen wieder Buden mit Frühlings- und Osterware, Leckerbissen, verschiedene Gesangchöre und Musikanten haben die Atmosphäre erwärmt. Es war diesmal sogar notwendig, weil die Temperaturen noch zu niedrig waren und teilweise lag in den Straßen frischer Schnee. 

In der Osterwoche wurde für Interessente Pfarrangehörige um 19 Uhr, nach der heiligen Messe, die auf das „letzte Abendessen des Herrn“ erinnert, und wo auch Bestandteil das Füße waschen ist (der Priester wäscht die Füße zwölf Männern, so wie Christus seinen Jüngern vor dem letzten Abendmahl), auf dem Pfarramt der katholischen Kirche des Hl. Antonius im Zentrum (am Mittwoch) und am Pfarramt der Ruppersdorfer Kirche des Hl. Antonius von Padua (am Gründonnerstag) das Pesach-Abendessen vorbereitet. „Pesach“ bedeutet auf Hebräisch hinausgehen oder übergehen und symbolisiert Abgang der Juden aus der ägyptischen Sklaverei. Das Abendessen hat seine genau bestimmten Regeln. Es wird das Essen, das nach den tausend Jahren alten Rezepten vorbereitet ist, gegessen: Cheroset (Salaten), Mazessen (nicht vergorenes Brot), bitteren Kräuter, Rotwein (während des Abendmahles werden vier Becher gefüllt, die man austrinken muss – natürlich gießt jeder so viel ein, was er erträgt – für Kinder, Jugendliche und Abstinente gibt es Mineralwasser), gebratene Eier und Lamm. Alle Symbole werden während des Abendmahles aufgeklärt. Es müssen auch die hebräische koscher Regeln, was die Bearbeitung der Lebensmittel betrifft, eingehalten werden. Während des Abendmahls liest der Priester aus der Bibel vor.
In der Hussitenkirche verläuft es ähnlich, nur statt gebratener Eier werden geriebene Äpfel mit Honig und Nüssen angeboten. Aus der Bibel lesen schrittweise alle Beteiligte des Festessens, jeder einen Abschnitt. Es werden auch hebräische Lieder unter Begleitung von Klavier gesungen. Meiner Meinung nach ist hier würdigerer Feierverlauf; bei den Katholiken, wo ich es diesmal zum ersten Mal auf der Pfarrei der Kirche des Hl. Antonius im Stadtzentrum erlebte, schien es mir zu ausgelassen zu sein. 

In meiner Kindheit haben wir im Haus, bei schönem Wetter im Garten, am Gründonnerstag das Osternest mit bunt bemalten Ostereiern und Schokolade gesucht, aber die Tschechen kennen diesen Osterbrauch fast nicht.

Am Karfreitag, den Tag der Kreuzigung und großer Traurigkeit, gehört strenges Fasten. Es ist der Tag der größten Stille. Äußerlich, weil die Glocken nicht läuten, aber auch in der Seele während des Kreuzweges in der Kirche und des Gottesdienstes, während dessen das Kreuz enthüllt wird und die Passion gesungen werden. 

Tag des Schweigens ist auch Karsamstag. Die Glocken und Orgeln erklingen erst um Mitternacht. Die Liturgie des in die Kirche hineingetragenen Lichtes bedeutet neues Leben und beginnt mit der Segnung des Feuers und Anzünden der Osterkerze, wird mit der Taufe und feierlichem Gottesdienst fortgefahren. Damit fängt das Osterfest mit seinen Volkstraditionen an – mit der Osterrute, Malen der Eier, Backen des Osterbrotes und Lammes.   
In Ruppersdorf konnte man nach dem feierlichen Gottesdienst am Ostersonntag, der mit dem Gesang des Kirchenchores bereichert war, den Ostermarkt vor der Kirche bewundern, viele Ostergeschenke kaufen, Gerichte vom Schweineschlachten schmecken (Gulasch, Suppe, Leber- und Blutwurst), man konnte sogar unter der Aufsicht des „Meisters“ eine Osterrute aus Weidenruten flechten. Ich selbst kann es mit acht Ruten, und so habe ich neugierig zugeschaut, wie man es mit neun Stücken bastelt.

Am Ostermontag wird sehr gern und häufig der nachstehende Osterbrauch eingehalten: am Vormittag gehen Kinder (meistens Jungen), aber auch erwachsene Männer, also die Osterliedsänger, mit der Osterrute, die mit bunten Bändchen und Schleifen geschmückt ist, von Haus zu Haus (die Männer nur in der Familie oder bei Bekannten und Verwandten), um sich bunt gemahlene Eichen, Süßigkeiten oder Kleingeld (die Erwachsenen auch Schnaps) verdienen. Es werden die Mädchen und Frauen (nicht immer rücksichtsvoll) über das Hinterleib und Beine geschlagen, damit sie das ganze Jahr gesund, lustig und fleißig bleiben. Dabei wird ein von mehreren Ostersprüchlein oder Ostergedichten vorgetragen oder sogar gesungen. Diesmal war es schwierig, weil noch Schnee lag, es schneite noch etwas dazu und die Temperaturen waren so gegen Null Punkt abgesunken.

 

– Reichenberg hat das erste 5D Kino: Das Einkaufszentrum FORUM bietet vom Ende März das nächste Ausmaß des Spaßes an, welches die Auswahl von vierzehn verschiedenen Gattungen – nach Belieben Märchen oder Horror – bedeutet. Der Unterschied gegen den klassischen 3D Kino ist riesig. Außer dem dreidimensionalen Bild wird die Realität der Bewegung des Sitzes hervorgerufen. Und dazu Effekte, wie z. B. Schnee, Regen, Nebel, Kriechtiere unter den Füssen oder Wind. Die Filme dauern sechs Minuten. Unter dem Sitz ist eine Taste, mit der man den Film anhalten kann, falls es uns nicht gut geht. Es kann passieren, wenn jemand vor der Projektion viel isst. Das Kino hat vier Plätze; weitere Kinos sind in Prag, Brünn und Aussig. Eine Vorführung kostet 69 Kronen. Das 5D Kino ist im ersten Stock des Einkaufszentrums FORUM täglich im Betrieb.

 

BÖHMISCH AICHA

Das achte Weltwunder ist die Satansbibel (im Original CODEX GIGAS). Die einzige vorkommende Kopie des größten handgeschriebenen Buches der Welt wurde exklusiv dem Museum in Böhmisch Aicha verleiht. Der Autor des Faksimiles ist der künstlerische Buchbinder Jiří Fogl aus Žamberk, der im Jahre 2007 das Buch verbunden hat. Er trug auch Sorge für den Umschlag, den er zum Nichterkennen schaffte. Statt Pergament mussten aber die Autoren Papier benutzen, die Replik wäre nämlich ungeheuer teuer gewesen. Im 13. Jahrhundert wurde für das Original das Leder von 160 Eseln benutzt. Für Erzeugung der Platten der Replik wurde die Rindshaut aus Polen von Ausmaßen 1,2 x 1,4 Meter benutzt. Zum Schmücken wurde die überhaupt älteste Technik benutzt, die auf den Büchern benutzt wurde, und zwar der Blinddruck. Das Schmücken des Umschlages hat drei Tage gedauert. 

Das beachtenswerte literarische Werk wurde am Anfang des 13. Jahrhunderts in Böhmen im Kloster bei Chrudim erschafft. Durch komplizierte Wege kam es nach Prag, wo es die Sammlungen des Kaisers Richard des Zweiten bereicherte. Während des 30jährigen Krieges im Jahre 1648 wurde das Buch bei der schwedischen Plünderung nach Schweden gebracht, wo es bis heute ist. Das Original in Schweden hat schon fünf Jahre den Safe der königlichen Bibliothek in Stockholm nicht verlassen. Um Rückgabe des Buches versuchte es auch der tschechische Expräsident Václav Havel. aber die Schweden reagierten mit Bekanntmachung, dass man beginnen hätte, alle europäischen Museen auszuleeren. Es wurde wenigstens ermöglicht, die Seiten digital scannen und Kopien davon schaffen. Vom September 2007 bis März 2008 wurde das Original zur Ausstellung im Prager Klementinum ausgeliehen. 

Laut der Direktorin des Museums Hana Spěšná wird das Buch bis 28. April ausgestellt, wobei am 12. April ab 19 Uhr Herr Jiří Fogl her zu lehren ankommt.

Das Buch hat Ausmaßen 92 cm Höhe, 51 cm Breite und wiegt 75 kg. Der geheimnisvolle Inhalt enthält lateinisch geschriebenen Etalon des damaligen Wissens der ganzen Welt. Das Alte und Neue Testament, die Kosmas Chronik, ärztliche, wissenschaftliche und historische Akten, samt Verteidigungsbeschwörungsformeln für Austreibung der Dämonen. Die größte Merkwürdigkeit ist dann Abbildung des Teufels auf der Seite 290, die dem Buch auch seine Bezeichnung gab. Bis heute ahnt man nicht, wer und warum das Buch geschrieben hat. Schwierig manipulieren mit ihm vier Leute, schlecht kann man es lesen, man muss auf ihm fast liegen. Das Buch weckt überall, wo es hinkommt, die Aufmerksamkeit auf. Obwohl es sich um eine Kopie handelt, das Mysterium, das das Buch umringt, ist beinahe greifbar. Riesigen Respekt vom Buch hat auch der Schriftsteller, Photograph und Arzt Zdeněk Jodas aus Böhmisch Aicha, der den Verleih veranlasste. Als er es zum ersten Mal in Köln ausgestellt sah, war das für ihn etwas Unvorstellbares. Er hat sich anvertraut, dass er vor diesem magischen Buch die Sprache verlor. Viele Historiker.versuchten erfolglos die Herkunft des ausgedeihten Werkes aufzulösen. Vielleicht auch deshalb wird zwischen den Leuten ein Mythos tradiert, dass das Buch während einer Nacht ein sündiger Mönch verfassen wollte, der sich damit von seiner Strafe, lebendig eingemauert zu werden, aufkaufen wollte. Als er in der Mitternacht festgestellt hat, dass er das nicht schafft, bestellte er sich zur Hilfe den Satan, der das Buch ergänzte, die Abschnitte aus der Bibel natürlich mit großer Selbstentäußerung. Seine Abbildung sollte dann an den erinnern, der mit dem Schreiben mitgeholfen hat. Es behandelt davon auch der tschechische Film „Die Teufelslist“.  

 

KATHARINBERG

Unter Begleitung von Handtrommeln, Pfeifen und lautem Lärm wurde aus der Welt die MORANA geräumt, die den Winter und die Not verkörpert. Die Gliederpuppe aus Stroh endete im Wasser des Katarinberger Badeteiches, natürlich für die Sicherheit noch angezündet. Die alten Volksgewohnheiten hat der Verein der Katharinberger Nachbaren wachgerufen, aber der Umzug lockte Bewohner aus dem ganzen Reichenberg an.

 

Schöne und interessante Begegnungen bei dem 64. Sudetendeutschen Tag in Augsburg wünscht allen Heimatfreundinnen und -freunden herzlich Ihre /Euere

Dagmar Neumann

Posted in Aktuelles, Reichenberg heute Liberec.

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