NACHRICHTEN AUS DER HEIMAT: Juni 2013

Liebe Heimatfreundinnen und Heimatfreunde, der Monat Juni mit seinem Sommeranfang ist endlich hier und wir können das warme Wetter die ersten Früchte genießen.

 

REICHENBERG

– DAS KRANKENHAUS bedeutet 165 Jahr Schmerz und Heilung. Am 1. April 1848 öffnete das neue Krankenhaus seine Tore. Es bekam den Namen nach dem Erzherzog Stephan.

Damals, so wie heute, ist es das größte in der Region. Damals wurde es das fünfte, sehr moderne Stadtanstalt in Böhmen mit der internen Abteilung und Chirurgie. Das imposante, zweiflügelige Gebäude in heutiger Kristianstraße hatte zehn Zimmer mit 52 Betten, eine Ambulanz, eigene Küche, Waschküche, Kapelle und Mansarde für weitere Erweiterung des Krankenhauses. Nach zeitnahen Quellen bildeten Einrichtung der Zimmer braune Betten mit einstellbaren Keilkissen, Matratzen oder Strohsäcken, von den anliegenden mit blau-weißen Gardinen abgetrennt. Die Patienten haben zwei Wollendecken bekommen und haben sich mit dem Nachbarn um den Tisch, Stuhl und Nachttische geteilt. Das Krankenhaus haben zuerst Stiftungen, Fonds und Sammlungen „ernährt“. Bis in das Jahr 1859 haben im Krankenhaus die Reichenberger Ärzte umsonst gearbeitet und um die Kranken haben vier Schwestern des Ordens des Hl. Karl Boromejský gesorgt. Erst im Jahre 1859 hat das Krankenhaus das „Recht der Öffentlichkeit“ gewonnen und bekam staatliche Unterstützung. Seitdem diente das Krankenhaus nicht nur den Bewohnern der Stadt, aber des ganzen Landkreises. So fängt die Geschichte eines der wichtigsten Anlage im Bezirk. Von zwei ursprünglichen Abteilungen in einem Gebäude hat sich das Krankenhaus zu einem Areal mit 34 Objekten und 46 Abteilungen gewachsen. Schon im Jahre 1900 gehörte das Krankenhaus zu den größten im Lande. Es hatte 310 Betten, acht Ärzte, einen Pathologe, zwanzig Krankenpflegerinnen, drei Zehn technischen Personal und jährlich sind hier 3.100 Kranken durchgegangen. Heute ist es der größte Arbeitsgeber im Bezirk und jährlich suchen es 440.000 Patienten auf. Mehr als 37.600 halten sich hier nach dem Typ der Krankheit vom eins bis ungefähr sieben Wochen auf. 

Die Lungenabteilung wurde auf Pavillon der Psychiatrie umgebaut. Die Bauchschütze haben die Assistentinnen bis in die 90. Jahre am Saal genäht, Sterilisation der Geräte am Operationssaal erinnerte an das Ausgabefensterchen des Esszimmers.

– DIE GESCHICHTE DER LIEBIGFABRIK „TEXTILANA“: Im März 2013 wurde Frau Vlasta Bergmanová, die die Publikation „Die Textilana in Bilden und Daten“ geschrieben hat, zu einem Diskussionsabend im Rahmen des Projekts „Das lebendige Gedächtnis der Stadt Reichenberg“ eingeladen. Als Gast war Petr Deyl anwesend, der lange Jahre in der Textilfabrik, bis zu ihrer Beendigung, gearbeitet hat. Es wurde überwiegend über die damalige Textilfabrik gesprochen. Diesen Abend haben junge Leute organisiert, sie möchten auch gern den Baron von Liebieg ansprechen, wenn er sich wieder in Reichenberg aufhalten wird. Im V Klub wird jeden Monat über ein anderes Thema gesprochen und dazu werden Zeitzeugen eingeladen, Filme projiziert und die Anwesenden können Fragen stellen.

Ich selbst habe im April die kahle Ebene der ehemaligen Textilfabrik durchgeforscht. Sie besteht aus vier bis sieben Hochplateau. Es gibt noch Reste von niedergerissenen Räumen, die direkt auf den Felsen enden, teilweise sind auch verschiedene Durchgänge und Tunnel, wo sich Obdachlose aufhalten. Überall alles gelb vom Huflattich, auch eine kleine Örtlichkeit mit Bärlauch habe ich gefunden. Und schöne Begegnung mit einem Reh, das ich dank günstigem Winde lange beobachten konnte. Das Wasser, das aus dem Teich vor der Kreuzung, wo es dann nach Maffersdorf und Gablonz an der Neiße weiter geht, herausläuft, fließt teilweise auf der Oberfläche, teilweise durch ursprüngliche Rohrleitung weiter. Aber es ist kein gewöhnliches Rohr, sondern sehr schön gewölbter „Bau“, den man mit einem kleinen Keller vergleichen kann, aus Ziegelsteinen gebaut. Vom Königsbusch mündet ein kleiner Zufluss ein, ein Stück weiter schließt sich der Harzdorfer Bach an, und hier ist schon ein starker Strom! Entlang des Baches am rechten Ufer und zwischen der Hauptstraße fährt die Straßenbahn Richtung Gablonz an der Neiße und zurück ins Reichenberger Zentrum durch, auf der anderen Seite, am linken Ufer, ist dann ober den Felsen die Dampfleitung und weiter das Plattenneubauviertel „Broumovská“ zu sehen. Ganz unten, Richtung Zentrum, ist auf der linken Seite das letzte Gebäude, einst „Blaupunkt“, später Weberei. Jetzt ist es in sehr schlechtem Zustand, herausgeschlagene Fenster, die Treppe kaputt, ohne Geländer, der Aufzug ist herausgebrochen, so dass ich nur mit „kleinem Seelchen“ die Treppe hinaufgegangen bin. Überall Abfälle, die schon in der Umgebung des Gebäudes draußen häufig waren, und dazu übler Geruch. Im Zwischengeschoss zwischen drittem und viertem Stock sah ich, dass oben kleinere Fenster sind, die mit Plastikfolie bedeckt waren. Von dort hörte ich leise Stimmen der Obdachlosen, und so bin ich wieder vorsichtig zurückgegangen. Draußen ist eine ganz andere Welt, die Sonne scheint, die Äste der Birken grünen und bewegen sich im Wind, aber die Nostalgie der vergangenen Zeiten spürt man hier immer noch ergiebig…       


– DIE WALPURGISNACHT vom 30. April an 1. Mai wird in Reichenberg jedes Jahr mit einem Umzug mit Lampion gefeiert. Dann werden beim Feuer Bockwurste angebraten. Dabei werden die „Hexen“ verbrannt. Das größte Lagerfeuer war bei der Tip-Sport-Arena, auf der Siedlung „Broumovská“ ober dem ehemaligen Gebiet der Textilfabrik TEXTILANA und in Ober Hanichen, wo bei dieser Gelegenheit wieder die historische Straßenbahn in Betrieb war. Viele kleine Feuer machten sich die Leute im eigenen Garten. Nicht einmal der ergiebige Regen am Abend hat viele Leute, vor allem Familien mit Kindern, vom „Hexenbrennen“ abgeraten. Auch im Garten des Begegnungszentrums habe ich, wie schon mehrere Jahre, über den Tag einen großen Haufen Holz, das sich während des Jahres angesammelt hat, verbrannt. Und die Backwürste schmeckten nach der beendeten Arbeit wunderbar.


BERZDORF
Trommeln, Schießen und Staub, und vor allem die Armee. Das beherrschte am Samstagnachmittag, den 20. April 2013, ganz Berzdorf. Bei der Gelegenheit der Wallfahrtsfeier wurde hier gleichzeitig auch die Schlacht des 7jährigen Krieges aus dem Jahre 1757, der bedeutend die Historie Reichenberges betroffen hat, erinnert worden. In Berzdorf haben 120 Soldaten die historische Schlacht aus dem 7jährigen Krieg rekonstruiert. Die Vorbereitungen dauerten ein halbes Jahr, die Vorführung der Schlacht ungefähr eine Stunde. Die Schlacht war eine von vielen Kämpfen während des 7jährigen Krieges. Gegenüber stand das Preußische Heer und das Heer der österreichischen erblichen Länden; die österreichische Einheit wurde damals zerstäubt. Mehr als tausend Soldaten sind gefallen, oder wurden verletzt.
Und warum fand diese Vorführung gerade in Berzdorf statt? Die Kirche des heiligen Adalbert wurde für das Geld erbaut, das einst die örtlichen Bürger für das Leiden, das sie im 7jährigen Krieg  betroffen hat, bekamen. Die Besucher konnten sich auch das zeitnahe militärische Lager ansehen.
Die Veranstalter, Verein der Berzdorfer Freunde, haben weiter ein Kulturprogramm in Form der Sänger- und Theateraufführungen vorbereitet. Die Abkömmlichen konnten auch traditionelle zeitnahe Gerichte kosten.

 

KRATZAU

Im Gebäude des Kratzauer Rathauses gibt es neuen Wi-Fi Anschluss zum Internet. An das Netzt kann man sich in dem kleinen oder großen Sitzungsraum, im Internetklub des städtischen Informationszentrums und im Saal des gesellschaftlichen Klubs CVA  anschließen. Der Anschluss ist vor allem für die Besucher des Rathauses und örtlichen Kulturaktionen bestimmt.

 

KETTEN

In KETTEN ist völlig neue zahnmedizinische Arztpraxis. Gleich am ersten Tag zeigte es sich, dass unter den Leuten um sie riesiges Interesse sein wird. Die Interessenten warteten in Trupps am Flur und in der Ordination klirrt das Telefon ein nach dem anderen. Die neue Zahnambulanz betreibt Bad Kunnersdorf, inzwischen jede gerade Woche. Laut Frau Jana Mlejnecká, Bürgermeisterin aus Ketten, war hier der Zahnarzt vor mehr als vierzig Jahren. Die Bearbeitung der Räume kostete die Ortschaft 200.000 Kronen, Ausstattung der Zahnpraxis von 615.000 Kronen schaffte die Stadt Grottau an der Neiße an.

 

OSCHITZ

Die Chronik der Tschechischen Schule in Oschitz wurde 75 Jahre im Schuppen des Familienhauses in Sobotka bei Jitschin versteckt. Niemand ahnte es. Die Chronik hat im letzten vorkriegszeitlichen Zeitabschnitt der leitende Lehrer František Drapák geschrieben. Sie enthält Verzeichnis des schwierigen Zusammenlebens der deutschen Majorität mit der tschechischen Minorität in damals striktem deutschen Dorf Oschitz. Das Schreiben der Chronik hat erst der Zweite Weltkrieg beendet. Die Chronik wurde nur deshalb bewahrt, weil der Leitlehrer Drapák im September 1938 als einer der letzten zu den Verwandten in Sobotka ausgezogen ist. Seine Nichte Marta hat später beim ausräumen des Hauses die Chronik gefunden und der Gemeinde Oschitz umsonst überlassen. Laut des Bürgermeisters von Oschitz Jiří Hauzer war das von ihr hochherzig. Nach der Uruntersuchung zeichnet sich die Chronik durch formale Bearbeitung, Authentizität, schöne Verbindung, ausgezeichneten Zustand und vor allem sehr guten Niveau des Eintrags aus, wie der Oschitzer Chronist Miroslav Lát bewertet.


Viel Freude und schöne Erlebnisse bei den Spaziergängen in der Natur wünscht allen Heimatfreundinnen und Heimatfreunden herzlich Ihre /Euere Dagmar Neumann.

Posted in Aktuelles, Reichenberg heute Liberec.

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