NACHRICHTEN AUS DER HEIMAT – August und September 2011

Liebe Heimatfreundinnen und Heimatfreunde,

August und September sind die Monate, wann der Sommer langsam zum Herbst schreitet. Geniessen wir das schöne Wetter, bevor es wieder kälter wird.

ARCHIV 

Das Reichenberger Archiv entdeckte das Geheimnis. Sehenswürdigkeiten aus dem Archiv, die bisher die Leute nicht gesehen haben, wurden den Interessenten im staatlichen Bezirksarchiv in Reichenberg gezeigt. Die Besucher konnten sich am 9. Juni z. B. die einzigartige Serie von Fotografien aus dem Jahre 1892, die die Abbrucharbeiten des alten Reichenberges Rathauses aus dem 17. Jahrhundert aufnehmen, oder die grösste Reichenberger Chronik, die 22 Kilo wiegt, ansehen.

MUSEUM

Das Nordböhmische Museum in Reichenberg hat seit Juli neuen Direktor. Herrn Alois Čvančara, der mehr als 30 Jahre an der Spitze eines der grössten tschechischen Museum stand, hat der 32jährige Jiří Křížek aus dem „Nationalem Denkmalinstitut“ in Reichenberg abgelöst.

DER TÖPFERPLATZ

Als im Jahre 2002 die Rohrleitung am Reichenberger Töpferplatz gesprungen ist und das Wasser hat die Menschenknochen auf die Oberfläche ausgeschwemmt, haben die Archäologen mehr als zwei hundert Jahre alte Gräber entdeckt. Es zeigt auf das grösste historische Ereignis der Stadt – auf die Schlacht bei Reichenberg. Am 21. April 1757 sind hier 30 bis 60 tausend preussische und österreichische Soldaten aneinandergeraten. Auf dem Kampfplatz blieben fast 1.700 Toten und Verletzten. Die Gefallenen wurden am Jeschkenhang begraben, am meisten bei der Kapelle in Johannesthal, wo heute Cola und Wodka verkauft wird. Die Österreicher haben die Schlacht verloren und öffneten so den Preussen den Weg nach Prag. Auf der Österreichischen Seite waren die Verluste von 874 Soldaten, davon 25 Offiziere; aud der preussischen Seite waren 655 Gefallene samt 30 Offizieren. Die Schlacht hatte grundsätzliche Bedeutung in der Entwicklung des siebenjährigen Kriegs, wo die Marie Theresie Schlesien verloren hat. Am Töpferplatz war militärisches Spital und nur 20 cm unter der Erde, vor dem Haus Nr. 88, liegen im Massengrab, das vom grössten Teil vernichtet ist, neun hundert von preussischen Soldaten. Viele Starben im Militärlazarett wahrscheinlich auf den Flecktyphus, der auch unmittelbar danach in der Stadt ausgebrochen ist. Die Knochen, die über sich liegen, bezeugen auf eine grosse Epidemie. In einem Graben wurde ein Knopf von der Kamisol mit Krönchen und Buchstaben „K“ entdeckt. Der Knopf ist aus der Zeit des Keisers Karl den IV., Vater der Marie Theresie – die schaffte es aber nicht, nach dem Antritt die Armee gleich verkleiden. Es wurde auch ein Knopf mit dem Zeichen der Marie Theresie gefunden, so dass man weiss, dass es sich um ein Ereignis aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts handelt, was historisch gerade der Schlacht bei Reichenberg entspricht. Das erste Grab am Töpferplatz wurde angeblich schon am Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt, aber eine ausfühliche Dokumentation fehlt. Seit dem ist es den Archäologen gelungen, noch weitere Gräber entdecken, einige waren zwar schon unvollständig oder im lLaufe der Zeit als auch durch Eingrif der Bauarbeiten beschädigt. Z. B. schon im Jahre 1784, durch Ausbau der so genannten Phillipstadt, wurde der Raum um den heutigen Töpferplatz auf vierzehn rechteckige Parzellen zerteilt und schrittweise zugebaut.

BERZDORF

Die Gräber der Kriegsgefangenen bewacht orthodoxe Ikone: Der alte militärische Friedhof in Berzdorf ist eine vergessene Gedenkstätte. Laut Augenzeugen standen noch einige Jahre nach dem Jahre 1945 auf den Rechtecken der Gräber orthodoxe Kreuze. In den Jahren 1914 – 1918 war im Rosenthal zwischen Kaufhaus GLOBUS und Flugplatz ein Gefangenenlager, vorwiegend für die Soldaten des Zarenrusslands und Italiener. Im Verlaufe des Ersten Weltkriegs hat angeblich die Zahl der Kriegsgefangenen die Einwohnerzahl von Reichenberg übersteigt, sie bewegte sich zwischen dreissig- bis vierzigtausend. Die Häftlinge haben unter schlechten Hygiene, Hunger und Krankheiten gelitten. Die jenigen Russen und Italiener, die an Typhus starben, wurden auf den Feldern begraben, und so entstand der russische Friedhof. Unlängst wurde dieser Reichenberger Friedhof vom Fluggewächse ausgerotten. Zum Mobiliar gehört alter Steinobelisk, Tafel bei dem Eingang und Informationstafel. Sonst nichts. Im Juni kam eine orthodoxe Ikone der überheiliger Mutter Gottes hin. Das ist ein Typ der Ikone, der am meisten dem Bild ähnlich ist, das der heilige Apostel Lukas auf die Tischtafel aus dem Haus Jesus gemalt hat. So hat er das Fundament der Kunst Ikonografie hingelegt. Der Spender widmet die Ikone allen Unbekannten, die in Schmerzen fern der Heimat starben.

GROTTAU

Nicht nur die „Kristýna“, aber auch die Geschichte der Stadt direkt am Marktplatz: – Die Stadt im Dreiländereck ist ïm Sommer haupsächlich dank dem Erholungsareal „Kristýna“ mit guten Schwimmenmöglichkeiten aufgesucht. Nach dem zerstórendem Hochwasser im vorigen Jahre wurden alle Scháden beseitigt und auch das Wasser entspricht den hygienischen Normen. Nur der durchgerissene Damm bei dem Seglerverein wird erst nach heurigen Saison repariert. Das Areal bietet insgersamt 195 Schlafstellen an, ein Viertel davon ist in der Pension Kristýna, die übrigen sind in in den Ferienhäuschen. Im Areal ist auch genug Platz für Zelte und Caravans. Zur Verfügung sind neun Restaurants. Man kann hier auch die Courts für Strandvolleyball ausnutzen, Seilzentrum, man kann sich hier Fahrräder und weitere sportliche Ausstattung, Schiffe und Tretboote ausleihen. Mit dem Paddelboot kann man auf der Neisse bis nach Ostritz fahren – Im vorigen Jahre wurde das ganze historische Zentrum rekonstruiert. Dabei ist eine archäologische Erforschung verausgegangen, deren Ergebnise man direkt auf dem Marktplatz und im neuen multifunktionellen Zentrum „Die Pforte des Dreiländereckes“ sehen kann. Am Marktplatz sind so moderne Elemente mit mittelalterischen Objekten zusammen zu sehen. Der „Obere Marktplatz“ in der Hälfte auf eine Ruhezone und Parkplatz eingeteilt. Ganz neu ist die Allee der Ziersauerkirschen mit Beisammensein, Springbrunnen mit neun Düsen, Trinkwasser und Sonnenuhr. Die Sonnenuhr ust aussergewöhnlich auf der Marktfläche gepflastert und den Schatten wirft der, der sich erkundigen will, wie spät es ist. Es reicht, wenn man sich auf den richtigen Platz auf der Messingachse mit dem Datum hinstellt. Bei der archäologischen Forsschung wurden in der Tiefe von zwei bis vier Meter unter der Oberfläche des Marktplatzes alte Wege gefunden, die einst durch Grottau führten. Das Pflaster wurde vermesst, auseinandergenommen und nochmals auf die Fläche des neuen Markplatzes gelegt. Man kann so einen Spazirgang auf dem Pflaster des 17. Jahrhunderts machen. Weiteres Exponat ist das Fundament der Pestsäule aus dem Jahre 10704. Vor dem Marktplatz wurde ein mittelalterische Brunnen entdeckt. Heute ist er mit Glasplattten bedeckt und so mann man in den sechs Meter tiefen Brunnen mit klaren Wasser schauen. Der schönste Anblick bietet sich aber nach der Dämmerung an, wenn der Innenraum des Brunnenes beleuchtet ist. – Im vorigen Jahre wurde die Rekonstruktion des Fachwerkbürgerhauses am „Oberen Marktplatz“ beendet. Es residiert hier jetzt das multifunktionelle Zentrum. Im historischen Teil ist das Infozentrum und Museum mit der Galerie untergebracht. Im Anbau im Hofe ist eine multifunktioneller Saal, ausgestattet mit Technik für Vorträge, Filmvorführung samt der Technologie 3D.

JUBILÄUM:

Vor 110 Jahren – 1901 – wurde der Aussichtsturm an der Liebiegwarte eröffnet. Vor 270 Jahren – 1741 – war die Preußenarmee in Reichenberg.

Herrlichen Sommer und Herbstanfang wünscht allen herzlich

Dagmar Neumann.

Posted in Aktuelles, Reichenberg heute Liberec.

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