Für immer von uns gegangen – Lothar Porsche, ein Mann der ersten Stunde in Reichenberg

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Er gehörte zu denen, die nach Kriegsende nicht vertrieben wurden. Sein Vater war Verkaufsleiter bei Ginzkey, das bedeutete für Lothar Porsche ein schweres Los. Denn der Vater wurde für den Wiederaufbau benötigt. Sein Sohn aber mußte sich mit 13 Jahren als Hilfsarbeiter in der Teppichfabrik verdingen. Er erinnerte sich „Das war für mich Zwangsarbeit. Die meisten Kinder wurden gezwungen zu arbeiten, manche sogar im Bergwerk.“ Ein Zufall hat ihn dann vor einem noch schwereren Schicksal bewahrt. Der Direktor der Teppichfabrik nahm sich seiner an. Lothar Porsche sagte hierzu „Der war im KZ misshandelt worden und hat trotzdem die Deutschen nicht gehasst, er wollte, dass ich eine Ausbildung als Weber mache.“

So vergingen die Jahre. Die Jahre bis zur Samtenen Revolution. Diese sollte auch für Lothar Porsche und seine Familie Veränderungen mit sich bringen. Er bekannte sich zu seinen deutschen Wurzeln und unterstützte die Aktivitäten des neu gegründeten Verbandes der Deutschen in Reichenberg. Die ersten deutsch-tschechischen Kulturtage in Reichenberg, Kinderwochen in Dänemark oder am Heiligenhof, Aufbau von Deutschkursen, Seniorenfreizeiten und offizielle Besuche in Augsburg, überall war er an vorderster Stelle präsent. Zusammen mit Erwin Scholz sorgte er für kontinuierliche Arbeit im Verband und im Begegnungszentrum. Als die ersten Räume des Zentrums zu klein wurden und sich die Chance auf ein eigenes Haus ergab, war er tatkräftig zur Stelle und sorgte mit dafür, dass das neue Begegnungszentrum in der Ruppersdorfer Strasse entstand. Viele Jahre hatte er dafür die Verantwortung. Die Verantwortung, die er auch für den Verband hatte, den er 17 Jahre lang bis vor zwei Jahren leitete. Als Vorsitzender des Verbandes vertrat er diesen auch in der Landesversammlung. Für sein unermüdliches Engagement verlieh ihm der Heimatkreis die höchste Auszeichnung, die Liebieg-Denkmünze. Als er sein Amt in jüngere Hände übergab, blickte er auf eine äußerst erfolgreiche Tätigkeit für seine Landsleute zurück. Zum Zeichen der Anerkennung und des Dankes wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Nun ist er von uns gegangen. Seine ewige Ruhe findet er in der Erde seiner Heimatstadt Reichenberg.

Unsere Gedanken sind bei seiner Tochter Vera und ihrer Familie, die seit vielen Jahren als Geschäftsführerin die Geschicke des Verbandes leitet.

Der Heimatkreis Reichenberg wird Lothar Porsche eine ehrendes Andenken bewahren.

Klaus Hoffmann
Heimatkreisbetreuer

Posted in Aktuelles, Aus dem Heimatkreis Reichenberg, Reichenberg heute Liberec.

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