Chronik der Stadt Reichenberg: 29. Juni 1913 – Sonderbericht

Abreise der Türken. Die türkischen Offiziere und Soldaten, welche seit Anfang November v.J. in der Notkaserne in der Laufergasse untergebracht sind, werden in der Nacht vom 2. zum 3. Juli von hier abreisen und nach der Türkei zurückkehren.

Die hiesige türkische Truppenabteilung, welche 200 Mann zählt, gehörte bekanntlich zur Besatzung von Plevje im Sandschak. Als dieser befestigte Ort in die Hände der Montenegriner fiel, flüchteten die Truppen über die österreischische Grenze um der Gefangenschaft zu entgehen. Gemäß den Grundsätzen des Völkerreches und der internationalen Vereinbarungen mußten sie hier entwaffnet werden und wurden dann in verschiedenen österreichischen Garnisonen zurückgehalten. Den türkischen Soldaten und Offizieren, die beständige Erscheinungen im Straßenbilde Reichenbergs waren, hat es hier außerordentlich gut gefallen. Dafür spricht auch die Tatsache, daß mehrfach gelegentlich des Rapportes Soldaten cortraten und den Wunsch äußerten, in Reichenberg bleiben zu dürfen. Dem Wunsche konnte nicht willfahrt werden, weil der ganze Tarnsport wieder zurückgehen muß. Nach Beendigung ihrer Dienstzeit bezw. nach der Entlassung asu dem Heeresverbande steht es selbstverständlich jedem einzelenen frei, sich sein Domizil zu wählen. Die meisten von den Heimkehrenden, sofern sie nicht aus der asiatischen Türkei sind, werden ihr Heimatland ohnedies unter die Balkanverbündeten auffinden. Die Kosten der Verpflegung der türkischen Truppen in Österreich wurden von der Türkei prompt rückersetzt.

 

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