Aus der Heimat – von Dagmar Neumann

Liebe Heimatfreunde und Heimatfreundinnen,

ich hoffe, ihr alle habt viele lustige Erlebnisse bei Faschingsfeiern gehabt und eine fröhliche Feier des Hl. Valentins erlebt. Im März verabschiedet man sich mit dem Winter und das Frühjahr übernimmt ihreHerrschaft. Mag auch das Wetter mit dem Kalender zusammenstimmen!

WEIHNACHTEN IN REICHENBERG:

Am Rathausplatz, in der Nähe des Neptun-Brunnens, wurde am ersten Adventssonntagder feierlich geschmückte Weihnachtsbaum, eine 14 Meter hohe Fichte,angeleuchtet. Die Adventsstimmung erhebten auch verschiedene Stände mit originellen Weihnachtsgeschenken aus Wachs, Holz; Glühwein, am Spieß gebratenem Ferkel und Bratwürste formten die Atmosphäre nach. In der Adventszeit wurden auch vor dem Rathaus von einigen Gesangschören Weihnachtslieder gesungen, herrlich klang die Weihnachtsmusik der Trompetenbläser. Auch an anderen Stellen waren Weihnachtsmärkte und Verkaufsaustellungen, wie z. B. im Rathauskeller, im Kulturhaus und am ehemaligen Ausstellungsgelände. Diesmal fehlte auch der Schnee nicht, es lag überall mehr als gewünscht wäre. In den Kirchen wurde die traditionelle Weihnachtsmesse von Jan Jakub Ryba aufgeführt (in Hanichen, Ruppersdorf, in der Erzdekanalkirche des Hl. Antonius, in Hermannsthal; die letzte hat am 9. Januar in der Zittauer Kirche stattgefunden). Fröhliche Weihnachten kamen auch in den Seniorenheim in Böhmisch Aicha: die Kinder aus dem Kindergarten „Korálek“ (Glasperle) wünschten mit Gesang der Weihnachtslieder frohe Weihnachtedn, führten Spielszenen und Gedichtchen vor.

DER REICHENBERGER BAHNHOF

Der Bahnhof in Reichenberg bekam eine neue Form. Es änderte sich vor allem die Abfertigungshalle und die Bahnsteigstunnels. Neu sind auch die Nebenräume des Personals, kommerzielle Räume, Elektrizitäts-, Wasser- und Heizverteilung und die Lufttechnik. Aus der Halle ist jetzt Durchsicht bis auf die Gleisanlage. In der Halle sind Geschäfte,ein Kaffeehaus und ein Friseursalon. Neu sind auch die Kassen. Es werden noch Kassen und Arbeitsplätze der Privaten Frachtführer, die im Bezirk wirken, dazukommen. Dazu gehört z. B. die deutsche Gesellschaft Vogtlandbahn, die die Lizenz für zehn Jahre für den Betrieb an der Strecke aus Reichenberg über Grottau a. d. Neiße und Zittau nach Warnsdorf bekam. Die Rekonstruktion, die im Dezember 2009 angefangen hat, kostete 48 Millionen Kronen, der Grossteil besteht vom Verkauf des Eigentums der Tschechischen Bahn. Den Bahnhof hat Reichenberg schon über 150 Jahre. Das erste Gebäude wurde hierin Zusammenhang mit Aufbau der Pardubitz-Reichenberger Bahn errichtet. Der erste Zug ist an ihr im Jahre 1859 angekommen. Im Objekt wurde eine große Rekonstruktion noch am Anfang des 20. Jahrhunderts durchgeführt, nachdem die Eisenbahn auch Reichenberg mit Böhmisch Leipa verbunden hat.Die „Altertümlichkeit“ des Reichenberger Bahnhofs war vor allem unter den Filmemachern beliebt. Der Regisseur Jiří Menzel hat dort z. B. den Film „Ich bediente den englischen König“ gedreht.

DIE REICHENBERGER BLUTGEFÄSSE:

Die Reichenberger Blutgefässe sind verkalkt; die Therapie fordert eine Milliarde. Zehner von Kilometern der Dampfleitung, die dem Heizkraftwerk gehört,durchführt Reichenberg. Die Rohre laufen wie Blutgefässe von seinem „Herz“, derHeizkraftanlage, in alle Richtungen. Sie führen meist auf der Oberfläche. Überden Bau hat die Tschechoslowakische Regierung im Januar 1971 beschlossen. Es wardie Aufgabe des Fünfjahrplanes und sollte im Jahre 1975 fertig sein. Der Bauhatte Priorität, bevorzugte Lieferungen des Materials und auch Geld für dieFachmänner. Seinerzeit war er eine ökologische „Bombe“. Er liquidierte ungefährsechzig kleine Kohlenkesselanlagen, die die Reichenberger „Grube“ plagten. Und sein Brennstoff, Masut, war billig. Reichenberg brauchte sich entwickeln, Neubauviertel anlegen und Industriebetriebe modernisieren, und das ist ohne Zentralwärme nicht gegangen. Die Blutgefäße sind in alle Richtungen auseinandergelaufen bis in den Anfang der neunziger Jahre. Dann begannen die Betriebe pleite zu gehen oder auf Gas überzugehen und der Heizkraftanlageschwinden die Kunden. Die Textilfabrik, die Technische Universität, das Krankenhaus, die Tipsport-Arena und Babylon. Es kamen aber Rieseneinkaufszentrenan. Heute hat die Rohrleitung beinahe siebenundvierzig Kilometer, von ihnenfünfundzwanzig oberirdisch und 1.200 Meter im Fluss. Es wurde der Weg deskleinsten Widerstandes gegangen. Wie das aussehen wird, interessierte damalsniemanden. ABER: Die sozialistische Dampfrohrleitung hindert die Veränderungspläne desWasserbetts der Neiße. Dem Reichenberger Stadtzentrum droht so ständigHochwasser. Es reichte, wenn im August das Wasser in der Richtung von Gablonz a. d. Neiße stürmte, und Reichenberg hätte große Probleme. Das Wasserbett derNeiße blockiert nämlich die Dampfrohrleitung, und die hätte wie die Staumauerfunktioniert. Ihr See wäre irgendwo ringsum des Bezirksamtes, oder eher in ihm.Das ist kein Hirngespinst, aber realistische Gefahr, auf die schon Jahreaufmerksam gemacht wird.Die längliche Röhre stören nicht so sehr. Die schlimmsten sind die Stützen, aufdenen die Rohrleitung verankert ist und überquert das Flussbett durch. Auf denStützen können sich Bäume und Sträucher anklammern, auf sie Kunststoffe, Säckeund Stücke von Hadern oder anderes Material aufwickeln und so eine zuverlässigeMauer erstellen und den Fluss wie einen Korken zustopfen. Das Wasser anbahntdann auf einem anderen Wege, vielleicht über umliegende Strassen und Häuser.

DÖRFEL:

Reichenberg wurde in diesem Jahr schon zweimal zur Gastgeberstadt: – Am 9. Februar 2011 fand im Isergebirge der berühmteste tschechische „50 km Isergebirgsskilanglauf“ statt. Die Wettfahrt verlief zum ersten Mal als Bestandteil der neuen Serie der Langläufe SKI CLASSICS, FIS Marathon Cup. Esstarteten 4.000 Sportler, zusammen mit allen begleitenden Läufen waren es 5.500 Skifahrer (davon 1.000 sind die halbe Strecke gefahren, und 500 sind am 7.Februar 30 km gelaufen. Erstmalig in der Geschichte wurden schon einen Monat vordem Start alle Startnummern ausverkauft. – Am 15. und 16. Januar 2011 hat unter der Schirmherrschaft der InternationalenSkiföderation der FIS Skilanglauf Weltcup im Skilanglaufareal in Dörfelstattgefunden. Im Einzel-Sprint haben die Damen (1,3 km) und Männer (1,6 km),den nächsten Tag im Team-Spring, um die Medaillen gekämpft. Der ReichenbergerDušan Kožíšek erwarb im Einzel-Sprint die Bronzemedaille.

JABERLICH

Das neue Skiareal im Wert von 230 Millionen Kronen lockte vor allem mit derneuen, 900 m langer und 70 m breiter Abfahrtspiste „Riesenfass“ am 17. Dezember2010 abends zum ersten Nachtschilaufen Zehner von Reichenbergern an. Es wartetehier auf sie hergerichtete Abfahrstrecke und eine Vier-Sesselbahn. Dank derSeilbahn kann das Areal zwei bis drei tausend Besucher einbegreifen. Es wirdhier vor allem Familien mit Kindern entgegengekommen. Für die Kinder ist ein 80m langer Schnurskilift vorbereitet. Auch Skiverleih, Erfrischung und Skischuleist zur Verfügung. Die längste Rohrbobbahn in der Tschechei mit 1.100 m undJahresbetrieb hat den Versuchsbetrieb schon im Oktober 2010 aufgenommen.

DER EUROPÄISCHE ZUG

Der ECE Zug TRILEX fuhr zum ersten Male aus Reichenberg am 11. Dezember 2010los. Er soll die Trasse Reichenberg – Zittau – Warnsdorf befahren. Später wirder auch in Polen anhalten

.HAINDORF

R. D. Doc. PhDr. Ing. Miloš Raban, Th.D., Priester der Diözese von Leitmeritz,Pfarrer in Raspenau und Administrator excurrendo in Haindorf und Einsiedel,starb nach einer schweren Krankheit am 7. Januar 2011 im Kreiskrankenhaus in Reichenberg. Er wurde am 20. Juni 1948 in Christofsgrund als der älteste Sohn von insgesamtdrei Kindern geboren. Das Abitur schloss er am Gymnasium in Jičín ab undstudierte System-Engineering an der Technischen Universität in Prag. Dannarbeitete er im Forschungsinstitut für Arbeitsschutz bis 1977. In demselben Jahrging er auf die Empfehlung vom Kardinal František Tomášek nach Italien. Dortstudierte er Theologie und Philosophie zuerst an der Lateranuniversität und denTitel des Doktors erhielt er an der Päpstlichen Universität Gregoriana. Aufgrundeiner außerordentlichen päpstlichen Erlaubnis war er am 9. November1985 in derBasilika Santa Maria Maggiore in Rom zum Priester geweiht und für die Diözesevon Leitmeritz bestimmt. In den Jahren 1985 – 1990 war er in Frankfurt am Maintätig. Vom Bischof Josef Koukl wurde er 1990 gebeten, in seine Geburtsdiözesezurückzukehren. Vom September 1990 bis zu seinem Tod war er in Raspenau und inHaindorf tätig.Dank seines Einsatzes und Bestrebens gelang es, das ehemaligeFranziskanerkloster in Haindorf zu sanieren und Anfang 2001 das InternationaleZentrum der geistlichen Erneuerung, dessen Leiter er war, zu eröffnen.Seit 1995 war er an der Technischen Universität in Reichenberg tätig. In denJahren 2005 – 2008 bekleidete er das Amt des Dekans an der Fakultät fürNaturwissenschaft, Sozialwesen und Pädagogik. Zugleich lehrte er an derUniversität in Königgrätz. Für viele Jahre war er Vorsitzende der TschechischenGesellschaft für katholische Theologie. In den Jahren 1996 – 2003 war er alsSekretär der Plenarversammlung der katholischen Kirche in der TschechischenRepublik tätig. Ebenfalls war er ein langjähriges Mitglied des Militärischen undHospitalischen Ordens des Heiligen Lazarus von Jerusalem.Im Rahmen der Diözese war er viele Jahre als Bischofsvikar für Kirchenschulwesenund Ausbildung, als Mitglied des Priesterrates und des Konsultorenkollegiumstätig. Mons. Jan Baxant, Bischof von Leitmeritz, lies das Requiem am Montag, dem 17.Januar 2011 in der Basilika Mariä Heimsuchung in Haindorf. Anschließend wurdendie Gebeine des Verstorbenen in die Gruft in der Basilika bestattet. Requiescatin pace!

Einen herrlichen Lenz mit zunehmendem Sonnenschein wünscht allen Heimatfreundinnen und Heimatfreunden herzlich Dagmar Neumann.

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