Augsburg und Reichenberg – 55 Jahre Patenschaft

Von der Patenschaft zur Städtepartnerschaft

Als am 24. April 1955 der damalige Augsburger Oberbürgermeister Dr. Klaus Müller feierlich die Patenschaftsurkunde an Dr. Theodor Leicht den letzten Bürgermeister Reichenbergs, heute Liberec, übergab, ahnte niemand, wie überaus positiv sich diese Patenschaft entwickeln würde. Dr. Müller sagte „keine leere Formalität, sondern ein Akt, entsprungen dem Gefühl der Verbundenheit“, sei die Patenschaft über die aus ihrer angestammten Heimat im nordböhmischen Reichenberg nach dem Zweiten Weltkrieg vertriebenen Deutschen. Diese Verbundenheit hat die Jahrzehnte der Patenschaft geprägt. Augsburg wurde den Reichenbergern, wie in der Patenschaftsurkunde genannt, „zweite Heimat und Hauptort für Pflege und Wahrung ihrer heimatlichen Überlieferung und Kultur“.

Die ersten drei Jahrzehnte der Patenschaft waren geprägt von der Erinnerung an die verlorene Heimat und den Wiederaufbau Deutschlands, an dem die Heimatvertriebenen auch in Augsburg regen Anteil hatten. Aus dieser Zeit stammen sichtbare Zeichen der Verbundenheit der Reichenberger Patenkinder zu ihrer Patenstadt Augsburg: der Reichenberger Brunnen vor der Kongresshalle, ein Wandteppich mit Reichenberger und Augsburger historischen Motiven im Rathaus und ein Glasbild mit Reichenberger Motiven im Hauptverwaltungsgebäude der Stadt. Augsburgs „kleinstes Museum“, die Reichenberger, Heimatstube, ist darüber hinaus seit Jahrzehnten fester Bestandteil nicht nur der Erinnerungskultur. „Die Stadt Augsburg hat sich von Beginn an als guter Pate erwiesen und die Reichenberger in ihre Obhut genommen. Dafür sind wir der Stadt und den Bürgern sehr dankbar“, sagt Klaus Hoffmann, Vorsitzender des Heimatkreises Reichenberg. 

Mit der friedlichen Revolution und der Wende vor 20 Jahren begann auch eine neue Zeitrechnung der Patenschaft. Der Heimatkreis Reichenberg wandte sich sehr schnell den in der Heimat verbliebenen Deutschen zu und baute Kontakte in die Stadtverwaltung in Liberec auf. Diese Kontakte führten zu ersten gegenseitigen Begegnungen, die schon im Jahr 2001 zur Städtepartnerschaft zwischen Augsburg und Reichenberg/Liberec führten. In diese junge Partnerschaft sind die heimatvertriebenen und die heimatverbliebenen Reichenberger eingeschlossen und haben seither die Verbindungen zwischen Augsburg und Reichenberg/Liberec stetig vertieft. Aus den ersten Deutsch-Tschechischen Kulturtagen wurde ein „DIALOG“ der Städte und Bürger, der von allen Beteiligten aktiv gelebt wird. 

„Augsburger und Reichenberger haben von den schrecklichen Lehren des Krieges gelernt und sich gemeinsam auf den Weg nach Europa gemacht. Und diesen Weg werden sie noch viele Jahre gemeinsam gehen. Aus der Patenschaft über die Heimatvertriebenen wurde eine gelebte Freundschaft zwischen Augsburg und Reichenberg/Liberec“, so Augsburgs Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl.

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