60 Jahre Sudetendeutsche Landsmannschaft Baden-Württemberg

– Festakt im Stuttgarter Rathaus am 31.03.2012

Die Vertreibung aus der Heimat lag wenige Jahre zurück. Die Gründung von Vereinen, in der direkten Nachkriegszeit von den Besatzungsmächten verboten, war wieder möglich, als die heimatvertriebenen Sudetendeutschen zwei Tage nach Gründung des Bundesland Baden-Württemberg am 27.04.1952 die Landesgruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft e.V. gründeten.

Mehr als 600.000 Sudetendeutsche waren auf dem ihnen zum Ende des Zweiten Weltkrieges aufgezwungenen Irrweg im Südwesten gestrandet. Ohne Hab und Gut, häufig nicht einmal mit dem zugestandenen Vertreibungsgepäck von 30 kg, ausgehungert und oftmals allein auf sich gestellt, waren sie den Viehwaggons entstiegen, die sie aus der Heimat in eine ungewisse Zukunft brachten. Was blieb ihnen übrig, als sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren. Also packten sie mit an. Und sie waren in einer für alle schlimmen Zeit Triebfeder beim Wiederaufbau. Trotz schwieriger Umstände integrierten sie sich in die für sie neue Umgebung und vor allem in die Gesellschaft.

Sie schufen sich Erinnerungsplätze, die bis heute sichtbar sind. Viele Heimatstuben im Land zeugen von der kulturellen Vielfalt, die die Sudetendeutschen mitbrachten. Sie sorgten sich durch Gründung von Jugendgruppen, durch ein eigenes Sozialwerk und die Schaffung von Ortsgruppen um umfassende Betreuung der Sudetendeutschen über alle Altersklassen und soziale Schichten hinweg. Dabei war von Anfang die Überpartlichkeit und Offenheit für alle Konfessionen ein wichtiger Aspekt. Ungeachtet dessen entwickelten sich gerade aus diesen persönlichen Interessen noch vielfältige Vereinigungen neben dem Landesverband der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Heute gibt es in Baden-Württemberg 24 kulturelle sudetendeutsche Einrichtungen – wissenschaftliche Gesellschaften, Archive, Büchereien, Sammlungen und Heimatstuben, die durch eigene Kraft der Sudetendeutschen und mit Hilfe öffentlicher Stellen in Baden-Württemberg aufgebaut wurden.

Sechs Jahrzehnte sind seit der Gründung Baden-Württembergs und der Sudetendeutschen Landsmannschaft vergangen. Die Sudetendeutschen sind integriert und dass jeder 15. Einwohner des Landes einen sudetendeutschen Hintergrund hat, ist zu einer Selbstverständlichkeit geworden, die in der Öffentlichkeit keine große Beachtung mehr findet.

Anläßlich der Verbandsgründung vor 60 Jahren lädt die Sudetendeutsche Landsmannschaft Baden-Württembergs am 31. März zu einem Festakt ins Rathaus nach Stuttgart ein. Rückblicke sind programmiert. Ausblicke sollten gegeben werden. Die Zukunft der Landsmannschaft, der Erhalt des kulturellen Erbes und politische Fragen sind zu beantworten. Denn zu viele Fragen sind offen. Bis heute sind die menschenverachtenden, die Deutschen betreffenden Beneschdekrete Teil des tschechischen Rechtssystems. Bis heute werden unter dem Begriff ethnische Säuberung Bevölkerungstransfers und Vertreibungen durchgeführt, ohne dass von Seiten der Politik eingegriffen wird.

“Die Sudetendeutsche Frage ist offen und eben nicht geklärt. Daran ändert auch die Freizügigkeit in Europa nichts. Es gibt Wissensdefizite in Politik und Bevölkerung, die es gilt abzubauen. Daher engagiere ich mich in der Sudetendeutschen Landsmannschaft in verschiedenen Ämtern“, so Klaus Hoffmann, Vorstandsmitglied der Sudetendeutschen im Land Baden-Württemberg und Vorsitzender des Heimatkreises Reichenberg.

 

 Einladung zum Festakt

 

Mehr Informationen über die Sudetendeutschen in Baden-Württemberg erhalten Sie unter www.sudeten-bw.de

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